Medizin-Lexikon › Vitiligo (Kurzdefinition)
Kurz erklärt: Vitiligo, auch Weißfleckenkrankheit genannt, ist eine chronische Hauterkrankung, bei der pigmentbildende Zellen (Melanozyten) verloren gehen. Dadurch entstehen scharf begrenzte, milchweiße Flecken. Die Erkrankung ist nicht ansteckend und nicht schmerzhaft, kann aber Betroffene im Alltag und seelisch stark belasten. Vitiligo ist behandelbar; eine sichere Heilung gibt es bislang nicht.
Wie entsteht Vitiligo?
Bei der häufigsten Form richtet sich das Immunsystem gegen die eigenen Melanozyten; Vitiligo zählt deshalb zu den Autoimmunerkrankungen. Eine erbliche Veranlagung spielt eine Rolle, ebenso oxidativer Stress in den Pigmentzellen und Immunbotenstoffe wie Interferon-gamma, deren Signale über sogenannte Januskinasen (JAK) weitergeleitet werden – hier setzen die neueren JAK-Hemmer an. Auslöser eines Schubs können Hautverletzungen, Sonnenbrand oder starke Belastungen sein. Neue Flecken an Stellen mit Reibung oder Verletzung werden als Köbner-Phänomen bezeichnet. Menschen mit Vitiligo haben häufiger weitere Autoimmunerkrankungen, besonders der Schilddrüse wie die Hashimoto-Thyreoiditis.
Formen und Verlauf
- Nicht-segmentale Vitiligo: die häufigste Form, meist beidseitig und oft symmetrisch, bevorzugt an Gesicht, Händen, Füßen, Gelenken und Körperöffnungen. Der Verlauf ist schwer vorhersehbar, mit Phasen von Ausbreitung und Stillstand.
- Segmentale Vitiligo: auf eine Körperseite oder ein Hautareal begrenzt, beginnt oft in der Kindheit, breitet sich meist rasch aus und kommt dann zum Stillstand.
- Mischformen aus beiden Typen sowie seltene Sonderformen.
Auch Haare in den Flecken können weiß werden; das gilt als ungünstiges Zeichen für die Repigmentierung.
Diagnose
Die Diagnose wird meist anhand des typischen Bildes gestellt. Unter Wood-Licht (UV-A-Lampe) leuchten die Flecken hell auf, was auch bei heller Haut kleine Herde sichtbar macht. Abzugrenzen sind andere helle Flecken, etwa nach Entzündungen oder bei Pilzinfektionen wie der Pityriasis versicolor; selten muss auch ein Hautlymphom ausgeschlossen werden. Häufig werden Schilddrüsenwerte und Antikörper bestimmt.
Behandlung
Ziele sind, die Ausbreitung zu stoppen und eine Repigmentierung zu erreichen. Welche Behandlung infrage kommt, hängt von Form, Ausdehnung, Krankheitsaktivität und den Wünschen der Betroffenen ab. Die Behandlung braucht Geduld; erste Ergebnisse zeigen sich meist erst nach Monaten.
- Cremes und Salben: Kortikosteroide oder Calcineurin-Hemmer wie Tacrolimus und Pimecrolimus, letztere besonders im Gesicht. Seit 2023 ist in der EU eine Creme mit dem JAK-Hemmer Ruxolitinib für die nicht-segmentale Vitiligo mit Gesichtsbeteiligung ab 12 Jahren zugelassen.
- Lichttherapie: Schmalband-UV-B (311 nm) für größere Flächen, gezielt auch mit dem Excimer-Laser; oft kombiniert mit Cremes.
- Bei rascher Ausbreitung kann kurzzeitig eine innerliche Kortison-Stoßtherapie erwogen werden.
- Chirurgische Verfahren wie die Übertragung von Melanozyten aus gesunder Haut kommen bei stabiler, vor allem segmentaler Vitiligo infrage.
Gesicht und Hals sprechen meist besser an als Hände und Füße. Nach dem Absetzen einer Behandlung sind Rückfälle möglich. Weitere JAK-Hemmer zum Einnehmen werden in Studien geprüft.
Alltag, Sonnenschutz und Camouflage
Depigmentierte Haut hat keinen eigenen UV-Schutz und bekommt leicht Sonnenbrand; ein hoher Lichtschutzfaktor und Kleidung sind wichtig. Sonnenbrände können zudem neue Flecken auslösen; auch Reibung, enge Kleidung und Verletzungen sollten möglichst vermieden werden. Spezielle Abdeckprodukte (Camouflage) oder Selbstbräuner können die Flecken kaschieren. Bei großer seelischer Belastung helfen Selbsthilfegruppen und psychologische Unterstützung. Sehr ausgedehnte Vitiligo kann im Einzelfall auch dauerhaft entfärbt werden; das ist eine weitreichende Entscheidung, die gründlich besprochen werden sollte. Ob die Krankenkasse einzelne Therapien übernimmt, ist im Einzelfall zu klären.
Verwandte Begriffe im Lexikon
Vitiligo, Melanozyten, Autoimmunerkrankung, Köbner-Phänomen, Wood-Licht, Excimer-Laser, Ruxolitinib, Tacrolimus, Hashimoto-Thyreoiditis, Melanin, Pityriasis versicolor
Quellen
- Böhm M et al.: S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Vitiligo. J Dtsch Dermatol Ges 2022
- Taieb A et al.: Guidelines for the management of vitiligo: the European Dermatology Forum consensus. Br J Dermatol 2013
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Europäischer Öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR) zur Ruxolitinib-Creme bei nicht-segmentaler Vitiligo
- Ezzedine K et al.: Vitiligo. Lancet 2015
- Ezzedine K et al.: Revised classification/nomenclature of vitiligo and related issues: the Vitiligo Global Issues Consensus Conference. Pigment Cell Melanoma Res 2012
- Bergqvist C, Ezzedine K: Vitiligo: A Review. Dermatology 2020
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, zahnärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: Oktober 2026.