Medizin-Lexikon › Migräne (Kurzdefinition)
Kurz erklärt: Migräne ist eine neurologische Erkrankung mit wiederkehrenden, meist pulsierenden Kopfschmerzattacken, die oft einseitig auftreten und von Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet werden. Etwa jede siebte Person ist betroffen, Frauen deutlich häufiger als Männer.
Wie entsteht Migräne?
Migräne beruht auf einer angeborenen Übererregbarkeit des Gehirns. Während einer Attacke wird das Trigeminussystem aktiviert, das unter anderem den Botenstoff CGRP freisetzt; dadurch entstehen eine Entzündungsreaktion an den Hirnhautgefäßen und die typischen Schmerzen. Die Veranlagung ist häufig erblich.
Typische Beschwerden
Eine Attacke dauert unbehandelt 4 bis 72 Stunden. Der Schmerz ist mittelstark bis stark, verstärkt sich bei körperlicher Aktivität und geht oft mit Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit einher. Bei etwa einem Viertel der Betroffenen geht eine Aura voraus, zum Beispiel Flimmern, Zickzacklinien oder Kribbeln, die meist weniger als eine Stunde anhält.
Häufige Auslöser
Attacken können durch unregelmäßigen Schlaf, Stress und vor allem die Entspannung danach, ausgelassene Mahlzeiten, Flüssigkeitsmangel, hormonelle Schwankungen rund um die Menstruation oder Alkohol begünstigt werden. Auslöser sind individuell verschieden; ein Kopfschmerztagebuch hilft, sie zu erkennen.
Akutbehandlung
Bei leichten bis mittelschweren Attacken helfen Schmerzmittel wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder deren Kombination mit Koffein, gegebenenfalls zusammen mit einem Mittel gegen Übelkeit. Bei stärkeren Attacken sind Triptane wirksam, die möglichst früh im Kopfschmerz eingenommen werden. Akutmittel sollten an höchstens zehn Tagen im Monat genommen werden, da sonst ein Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch droht.
Vorbeugung
Bei häufigen oder sehr belastenden Attacken kommt eine vorbeugende Behandlung infrage, etwa mit Betablockern, Topiramat, Flunarizin oder Amitriptylin. Neuere Optionen sind Antikörper gegen CGRP oder seinen Rezeptor sowie in bestimmten Fällen Botulinumtoxin bei chronischer Migräne. Regelmäßiger Ausdauersport, Entspannungsverfahren und ein geregelter Tagesrhythmus wirken unterstützend.
Wann zum Arzt?
Ärztlich abgeklärt werden sollten neu auftretende oder veränderte Kopfschmerzen, Kopfschmerzen nach dem 50. Lebensjahr und häufige Attacken. Ein plötzlicher, stärkster Kopfschmerz, Lähmungen, Sprachstörungen, Fieber mit Nackensteife oder eine erstmals auftretende Aura, die länger als eine Stunde dauert, sind ein Notfall (Notruf 112).
Verwandte Begriffe im Lexikon
Kopfschmerzen, Aura, Triptane, Medikamentenübergebrauchskopfschmerz, Spannungskopfschmerz, Cluster-Kopfschmerz, Botulinumtoxin, Neurologie
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Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG): Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“, AWMF-Register 030-057
- Headache Classification Committee der International Headache Society: Internationale Kopfschmerzklassifikation ICHD-3
- IQWiG: gesundheitsinformation.de – Gesundheitsinformationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: Oktober 2026.