Medizin-Lexikon › Kontaktekzem (Kurzdefinition)
Kurz erklärt: Ein Kontaktekzem ist eine entzündliche Hautreaktion, die durch direkten Kontakt mit einem Stoff ausgelöst wird. Typisch sind Rötung, Juckreiz, Bläschen, Schuppung und bei längerem Bestehen eine verdickte, rissige Haut. Man unterscheidet das irritative (toxische) Kontaktekzem durch hautschädigende Stoffe und das allergische Kontaktekzem durch eine erworbene Allergie. Beide lassen sich gut behandeln, wenn der Auslöser erkannt und gemieden wird.
Irritatives Kontaktekzem
Hier wird die Hautbarriere direkt geschädigt, ohne dass eine Allergie beteiligt ist. Häufige Ursachen sind häufiges Händewaschen, Feuchtarbeit, Tragen von Handschuhen über lange Zeit, Reinigungs- und Lösungsmittel, Öle oder Reibung. Betroffen sind vor allem die Hände. Besonders gefährdet sind Berufe in Pflege, Medizin, Friseurhandwerk, Gastronomie, Reinigung, Bau und Metallverarbeitung. Menschen mit Neurodermitis haben eine empfindlichere Haut und erkranken leichter.
Allergisches Kontaktekzem
Beim allergischen Kontaktekzem hat das Immunsystem gelernt, auf einen bestimmten Stoff zu reagieren (Spättyp-Allergie, Typ IV). Die Reaktion tritt meist ein bis drei Tage nach dem Kontakt auf und kann über die Kontaktstelle hinaus streuen. Häufige Auslöser sind Nickel in Schmuck, Gürtelschnallen und Knöpfen, Duftstoffe, Konservierungsmittel in Kosmetika und Reinigungsmitteln, Farbstoffe in Haarfärbemitteln, Chromat in Zement und Leder, Gummi-Inhaltsstoffe sowie manche Wirkstoffe in Salben. Eine einmal erworbene Kontaktallergie bleibt in der Regel lebenslang bestehen. In der EU begrenzt die Chemikalienverordnung REACH die Nickelabgabe aus Gegenständen mit längerem Hautkontakt.
Diagnose
Wichtig sind eine genaue Befragung zu Beruf, Hobbys, Kosmetik, Schmuck und Medikamenten sowie die Verteilung der Hautveränderungen. Bei Verdacht auf eine Allergie wird ein Epikutantest durchgeführt: Testsubstanzen werden mit Pflastern auf den Rücken geklebt, nach etwa zwei Tagen entfernt und die Haut wird an mehreren Tagen abgelesen. Andere Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte oder Pilzinfektionen werden abgegrenzt.
Behandlung
- Auslöser meiden: der wichtigste Schritt; bei Allergien hilft ein Allergiepass, die Inhaltsstofflisten von Produkten zu prüfen.
- Entzündungshemmende Cremes: im akuten Schub kurzzeitig Kortisonpräparate in passender Stärke; im Gesicht und an empfindlichen Stellen auch Calcineurin-Hemmer.
- Hautpflege: rückfettende, möglichst duftstofffreie Pflege zur Wiederherstellung der Hautbarriere.
- Bei schweren, hartnäckigen Handekzemen fachärztliche Therapien wie Lichttherapie oder innerlich wirksame Medikamente.
Hautschutz und Beruf
Am Arbeitsplatz gehören Hautschutz, geeignete Schutzhandschuhe mit Baumwollunterziehhandschuhen bei längerem Tragen, schonende Reinigung und Pflege zum vorbeugenden Konzept. Ein beruflich verursachtes Kontaktekzem kann als Berufskrankheit (BK 5101, schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankungen) anerkannt werden. Schon beim Verdacht kann die Hautärztin oder der Hautarzt einen Hautarztbericht an die Unfallversicherung schicken; diese übernimmt dann häufig Behandlung, Hautschutzschulungen und weitere Leistungen, um den Arbeitsplatz zu erhalten. Die normale Behandlung eines Kontaktekzems zahlen die Krankenkassen.
Verwandte Begriffe im Lexikon
Ekzem, Allergie, Typ-IV-Allergie, Patch-Test, Tacrolimus, Duftstoffe, Hautschutz, Neurodermitis, Kortison
Quellen
- AWMF-S3-Leitlinie Diagnostik, Prävention und Therapie des Handekzems (Deutsche Dermatologische Gesellschaft)
- AWMF-S3-Leitlinie Durchführung des Epikutantests mit Kontaktallergenen und Arzneimitteln (Deutsche Dermatologische Gesellschaft)
- Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH), Anhang XVII, Eintrag 27: Nickel
- Berufskrankheiten-Verordnung (BKV), Anlage 1, Nr. 5101: Schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankungen
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, zahnärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: Oktober 2026.