Medizin-Lexikon › Herzinsuffizienz (Kurzdefinition)
Kurz erklärt: Bei einer Herzinsuffizienz kann das Herz nicht mehr genug Blut durch den Körper pumpen, um den Bedarf zu decken. Sie ist eine der häufigsten Ursachen für Krankenhausaufenthalte bei älteren Menschen, lässt sich heute aber deutlich besser behandeln als früher.
Ursachen
Die häufigsten Ursachen sind die koronare Herzkrankheit mit oder ohne früheren Herzinfarkt und langjähriger Bluthochdruck. Weitere Ursachen sind Herzklappenfehler, Herzmuskelerkrankungen, Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern, Herzmuskelentzündungen, Alkohol und manche Krebsmedikamente.
Beschwerden
Typisch sind Atemnot bei Belastung und im fortgeschrittenen Stadium auch in Ruhe oder im Liegen, rasche Erschöpfung, Wassereinlagerungen in Knöcheln und Beinen, nächtliches Wasserlassen und eine schnelle Gewichtszunahme durch eingelagerte Flüssigkeit. Der Schweregrad wird oft nach der NYHA-Klassifikation eingeteilt.
Diagnose
Wichtig sind Herzultraschall (Echokardiographie), EKG und der Blutwert NT-proBNP. Anhand der Pumpleistung (Ejektionsfraktion) werden Formen mit reduzierter, leicht reduzierter und erhaltener Pumpfunktion unterschieden, die teils unterschiedlich behandelt werden.
Behandlung
Bei reduzierter Pumpfunktion bilden vier Medikamentengruppen die Basis: ACE-Hemmer, Sartane oder ARNI (Sacubitril/Valsartan), Betablocker, Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten und SGLT2-Hemmer. Entwässernde Medikamente lindern Wassereinlagerungen. Je nach Situation kommen ein implantierbarer Defibrillator, eine kardiale Resynchronisationstherapie, Klappeneingriffe oder in schweren Fällen Herzunterstützungssysteme und Transplantation infrage. Regelmäßiges, angepasstes Training wird empfohlen.
Selbstkontrolle und Warnzeichen
Tägliches Wiegen hilft, Wassereinlagerungen früh zu bemerken: Eine Zunahme von mehr als etwa einem Kilogramm an einem Tag oder zwei Kilogramm in wenigen Tagen sollte ärztlich besprochen werden. Plötzliche starke Atemnot, Brustschmerz oder Ohnmacht sind ein Notfall.
Verwandte Begriffe im Lexikon
Herz, Echokardiographie, NT-proBNP, ACE-Hemmer, Beta-Blocker, SGLT2-Hemmer, Diuretikum, Kardiomyopathie, Lungenödem
Quellen
- Bundesärztekammer, KBV, AWMF: Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz, leitlinien.de
- European Society of Cardiology (ESC): Leitlinie Herzinsuffizienz 2021 mit Aktualisierung 2023
- IQWiG: gesundheitsinformation.de – Gesundheitsinformationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: Oktober 2026.