Dehnungsstreifen (Striae): Ursachen und Behandlung

Medizin-Lexikon › Striae (Kurzdefinition)

Kurz erklärt: Dehnungsstreifen, medizinisch Striae distensae, sind streifenförmige, leicht eingesunkene Hautveränderungen, die entstehen, wenn die Haut stark oder rasch gedehnt wird. Sie sind sehr häufig, gesundheitlich harmlos und verblassen mit der Zeit, verschwinden aber meist nicht vollständig. Manche Menschen empfinden sie als belastend.

Wie entstehen Dehnungsstreifen?

In der Lederhaut sorgen Kollagen- und elastische Fasern für Festigkeit und Elastizität. Bei starker Dehnung, oft unter hormonellem Einfluss, reißen diese Fasern ein und werden umgebaut. Frische Streifen sind rötlich bis violett, leicht erhaben und können jucken (Striae rubrae). Über Monate bis Jahre werden sie heller, schmaler und leicht eingesunken (Striae albae). Typische Stellen sind Bauch, Brüste, Hüften, Gesäß, Oberschenkel und Oberarme.

Häufige Auslöser

  • Schwangerschaft, besonders im letzten Drittel
  • Wachstumsschübe in der Pubertät
  • schnelle Gewichtszunahme, auch rascher Muskelaufbau
  • längere Behandlung mit Kortison, als Tablette oder als stark wirksame Creme
  • familiäre Veranlagung

Treten ausgeprägte, breite, dunkelviolette Streifen ohne erkennbaren Anlass auf, besonders zusammen mit Gewichtszunahme am Rumpf, rundem Gesicht oder Bluthochdruck, sollte ärztlich nach einer vermehrten Kortisonbildung (Cushing-Syndrom) gesucht werden. Auch einige erbliche Bindegewebserkrankungen gehen mit Striae einher.

Kann man vorbeugen?

Viele Öle und Cremes werden zur Vorbeugung angeboten, etwa in der Schwangerschaft. Für ihre Wirksamkeit gibt es bislang keine überzeugenden Belege aus guten Studien. Das Eincremen kann Juckreiz und Spannungsgefühl lindern und schadet in der Regel nicht. Eine langsame, gleichmäßige Gewichtsentwicklung ist der sinnvollste Ansatz, verhindert Dehnungsstreifen aber nicht sicher, da Veranlagung und Hormone eine große Rolle spielen.

Behandlungsmöglichkeiten

Frische, rötliche Streifen sprechen besser auf eine Behandlung an als alte, weiße. Eine Behandlung ist medizinisch nicht notwendig und kann die Streifen nur abschwächen.

  • Vitamin-A-Säure-Cremes (Tretinoin) können frische Striae etwas verbessern; in Schwangerschaft und Stillzeit sind sie nicht geeignet.
  • Gefäßlaser können die Rötung frischer Streifen mindern.
  • Fraktionierte Laser, Microneedling und Radiofrequenzverfahren sollen den Umbau von Bindegewebe anregen und Struktur und Breite verbessern, meist über mehrere Sitzungen.

Die Studien sind überwiegend klein und schwer vergleichbar. Bei dunkleren Hauttypen besteht nach Lasern und Microneedling ein erhöhtes Risiko für Pigmentverschiebungen.

Risiken und Grenzen

Mögliche Nebenwirkungen der Verfahren sind Rötung, Schwellung, Krusten, Hautreizungen, dunkle oder helle Flecken und selten Narben. Eine vollständige Entfernung ist mit keinem Verfahren zu erwarten. Bei Hautüberschuss am Bauch, etwa nach Schwangerschaften, werden Striae unterhalb des Nabels manchmal im Rahmen einer Bauchdeckenstraffung mit entfernt; das allein ist aber kein Grund für eine Operation.

Kosten

Da Dehnungsstreifen keine Krankheit sind, zahlen die gesetzlichen Krankenkassen ästhetische Behandlungen nicht. Vor einer Behandlung sollten realistische Erwartungen, Anzahl der Sitzungen, Risiken und Alternativen besprochen werden. Wird ein Cushing-Syndrom oder eine andere Grunderkrankung vermutet, gehört die Abklärung dagegen zur regulären Versorgung.

Verwandte Begriffe im Lexikon

Kollagen, Elastin, Retinoide, Kortison, Cushing-Syndrom, Fraktionierter Laser, Microneedling, Radiofrequenz, Abdominoplastik

Quellen

  • Brennan M, Young G, Devane D: Topical preparations for preventing stretch marks in pregnancy. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012
  • Al-Himdani S, Ud-Din S, Gilmore S, Bayat A: Striae distensae – a comprehensive review and evidence-based evaluation of prophylaxis and treatment. British Journal of Dermatology 2014
  • American Academy of Dermatology (AAD): Stretch marks – patient information
  • Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG): Patienteninformationen zu Hautveränderungen

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, zahnärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: November 2026.