Medizin-Lexikon › Alopezie (Kurzdefinition)
Kurz erklärt: Täglich bis zu etwa 100 Haare zu verlieren ist normal. Von Haarausfall (Alopezie) spricht man, wenn deutlich mehr Haare ausfallen oder das Haar sichtbar dünner wird. Die häufigste Form ist der erblich bedingte Haarausfall.
Erblich bedingter Haarausfall
Bei der androgenetischen Alopezie reagieren die Haarfollikel empfindlich auf männliche Hormone und werden mit der Zeit kleiner. Bei Männern zeigt sich das als Geheimratsecken und Lichtung am Hinterkopf, bei Frauen als Ausdünnung im Scheitelbereich bei meist erhaltenem Haaransatz.
Weitere Formen
Beim kreisrunden Haarausfall greift das Immunsystem die Haarwurzeln an; es entstehen runde, kahle Stellen. Diffuser Haarausfall kann zwei bis drei Monate nach Fieber, Operationen, Geburt, starkem Gewichtsverlust oder Stress auftreten, außerdem bei Eisenmangel, Schilddrüsenerkrankungen und durch Medikamente. Narbige Formen, bei denen die Haarfollikel dauerhaft zerstört werden, erfordern eine rasche hautärztliche Behandlung.
Diagnose
Die Hautärztin oder der Hautarzt untersucht die Kopfhaut mit dem Dermatoskop (Trichoskopie) und gegebenenfalls ein Trichogramm. Laboruntersuchungen wie Ferritin, Schilddrüsenwerte und bei Frauen Hormonwerte helfen, Ursachen zu finden.
Behandlung
Gegen erblich bedingten Haarausfall ist Minoxidil als Lösung oder Schaum für Männer und Frauen zugelassen; bei Männern kommt zusätzlich Finasterid infrage. Beide wirken nur bei dauerhafter Anwendung. Beim kreisrunden Haarausfall werden unter anderem Kortison und bei schweren Formen JAK-Inhibitoren eingesetzt. Bei diffusem Haarausfall steht die Behandlung der Ursache im Vordergrund. Eine Haartransplantation ist bei stabilem erblichem Haarausfall möglich. Für viele frei verkäufliche Haarwuchsmittel und Nahrungsergänzungsmittel fehlt ein überzeugender Wirksamkeitsnachweis, sofern kein Mangel vorliegt.
Wann zum Arzt?
Plötzlicher, starker oder fleckförmiger Haarausfall, Juckreiz, Rötung oder Schmerzen der Kopfhaut sowie Haarausfall mit weiteren Beschwerden sollten hautärztlich abgeklärt werden.
Verwandte Begriffe im Lexikon
Haarfollikel, Kreisrunder Haarausfall, Minoxidil, Finasterid, Haartransplantation, Eisenmangel, Hypothyreose, JAK-Inhibitoren, PRP-Behandlung
Quellen
- European Dermatology Forum (EDF): Leitlinie zur Behandlung der androgenetischen Alopezie bei Frauen und Männern
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG): Patienteninformationen, derma.de
- IQWiG: gesundheitsinformation.de – Gesundheitsinformationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: Oktober 2026.