Medizin-Lexikon › Filler (Kurzdefinition)
Kurz erklärt: Bei einer Faltenunterspritzung wird ein Füllmaterial (Filler) in oder unter die Haut gespritzt, um Falten zu glätten oder verloren gegangenes Volumen auszugleichen. Am häufigsten wird vernetzte Hyaluronsäure verwendet. Die Wirkung ist vorübergehend, und wie jede Injektion ist die Behandlung mit Risiken verbunden, die selten auch schwerwiegend sein können.
Welche Filler gibt es?
- Hyaluronsäure: körperähnlicher Stoff, der Wasser bindet; durch chemische Vernetzung hält er im Gewebe meist mehrere Monate bis rund ein Jahr, an wenig bewegten Stellen teils länger. Er lässt sich mit dem Enzym Hyaluronidase auflösen.
- Biostimulatoren wie Calciumhydroxylapatit oder Poly-L-Milchsäure: Sie füllen nicht nur, sondern regen die Bildung von Kollagen an; die Wirkung baut sich langsamer auf und hält oft länger. Sie lassen sich nicht gezielt auflösen.
- Dauerhafte Filler (zum Beispiel mit nicht abbaubaren Kunststoffpartikeln) werden wegen spät auftretender Knötchen und Entzündungen von Fachgesellschaften überwiegend kritisch gesehen.
Wofür werden Filler eingesetzt?
Typische Behandlungsbereiche sind Nasolabialfalten, Marionettenfalten, Lippen, Wangen, Kinn, Kieferlinie und die Tränenrinne. Filler wirken vor allem bei Falten und Mulden, die durch Volumenverlust entstehen. Mimikfalten, etwa die Zornesfalte, werden eher mit Botulinumtoxin behandelt, das die Muskelaktivität dämpft; beide Verfahren werden manchmal kombiniert. Feine Knitterfältchen und Hautqualität lassen sich mit Fillern nur begrenzt verbessern.
Ablauf
Vor der Behandlung stehen ein Gespräch über Wünsche, Vorerkrankungen, Medikamente und frühere Unterspritzungen sowie eine Aufklärung über Risiken und Alternativen. Die Injektion erfolgt mit feiner Nadel oder stumpfer Kanüle, häufig mit einem Betäubungsmittel im Präparat. Sie dauert meist nur wenige Minuten bis eine halbe Stunde. Danach sollten für ein bis zwei Tage Sauna, starker Sport, Alkohol und Massage der behandelten Stellen vermieden werden.
Nebenwirkungen und Komplikationen
- häufig: Rötung, Schwellung, Druckschmerz und Blutergüsse für einige Tage
- tastbare Knötchen, Unregelmäßigkeiten oder ein bläulicher Schimmer bei zu oberflächlicher Platzierung (Tyndall-Effekt)
- Infektionen und Aufflammen von Lippenherpes
- verzögerte Entzündungsreaktionen oder Granulome, teils noch Monate nach der Behandlung
- selten, aber ernst: Gefäßverschluss durch Filler im Blutgefäß. Warnzeichen sind starke Schmerzen, eine weißliche, später bläulich-marmorierte Haut oder Sehstörungen während oder kurz nach der Injektion. Das ist ein Notfall: Bei Hyaluronsäure wird umgehend Hyaluronidase gespritzt, bei Sehstörungen ist sofort augenärztliche Notfallhilfe nötig.
Besonders gefährdet sind gefäßreiche Regionen wie Nase, Stirn, Glabella und Nasolabialbereich.
Für wen ist die Behandlung nicht geeignet?
Abgeraten wird in Schwangerschaft und Stillzeit, bei aktiven Hautinfektionen im Behandlungsgebiet, bekannter Allergie gegen Bestandteile und bei bestimmten Autoimmunerkrankungen oder Gerinnungsstörungen nach individueller Abwägung. Wer Blutverdünner einnimmt, sollte dies angeben, aber nicht eigenmächtig absetzen.
Wichtig zu wissen
Filler sind in der EU als Medizinprodukte bzw. als Produkte ohne medizinische Zweckbestimmung den Regeln der Medizinprodukteverordnung unterstellt. Die Unterspritzung ist eine heilkundliche Tätigkeit und gehört in qualifizierte ärztliche Hände, die auch Komplikationen erkennen und behandeln können. Man sollte nach Produktname und Chargennummer fragen und sich diese dokumentieren lassen. Eine Faltenunterspritzung ist eine Selbstzahlerleistung; Bedenkzeit und realistische Erwartungen sind wichtig, denn das Ergebnis ist zeitlich begrenzt und regelmäßige Wiederholungen summieren Kosten und Risiken.
Verwandte Begriffe im Lexikon
Filler, Hyaluronsäure, Hyaluronidase, Biostimulatoren, Poly-L-Milchsäure, Gefäßverschluss nach Filler, Nasolabialfalte, Tränenrinne, Botulinumtoxin
Quellen
- U.S. Food and Drug Administration (FDA): Dermal Fillers (Soft Tissue Fillers) – Informationen zu Anwendung und Risiken
- Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte (MDR), Anhang XVI: Produkte ohne medizinische Zweckbestimmung, u. a. Dermalfiller
- DeLorenzi C.: New High Dose Pulsed Hyaluronidase Protocol for Hyaluronic Acid Filler Vascular Adverse Events. Aesthet Surg J 2017
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Informationen zur Meldung von Vorkommnissen mit Medizinprodukten
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, zahnärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: Oktober 2026.