Medizin-Lexikon › Abdominoplastik (Kurzdefinition)
Kurz erklärt: Bei einer Bauchdeckenstraffung (Abdominoplastik) entfernt die Chirurgin oder der Chirurg überschüssige Haut und Fettgewebe am Unterbauch und strafft bei Bedarf die auseinandergewichene Bauchmuskulatur. Der Eingriff kommt vor allem nach starker Gewichtsabnahme oder nach Schwangerschaften infrage. Er ist keine Methode zum Abnehmen und hinterlässt eine lange, dauerhaft sichtbare Narbe.
Wann kommt eine Bauchdeckenstraffung infrage?
Nach großem Gewichtsverlust oder mehreren Schwangerschaften kann die Bauchhaut so stark gedehnt sein, dass sie sich nicht mehr zurückbildet. Es entsteht ein Hautüberhang, im ausgeprägten Fall eine Fettschürze, die über die Leiste hängt. Häufig weichen zusätzlich die geraden Bauchmuskeln in der Mitte auseinander (Rektusdiastase). Mit Sport und Ernährung lassen sich lockere Haut und eine deutliche Rektusdiastase kaum beheben. Gute Voraussetzungen sind ein seit Monaten stabiles Gewicht, ein abgeschlossener Kinderwunsch, kein Rauchen und ein guter allgemeiner Gesundheitszustand. Bei starkem Übergewicht steigt das Komplikationsrisiko deutlich; dann steht meist zunächst die Gewichtsreduktion im Vordergrund. Liegt nur ein lokales Fettpolster ohne Hautüberschuss vor, kann eine Fettabsaugung ausreichen.
Ablauf der Operation
Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose und dauert meist zwei bis vier Stunden. Bei der klassischen Abdominoplastik verläuft der Schnitt quer im Unterbauch, möglichst tief, sodass die Narbe später von Unterwäsche oder Badebekleidung bedeckt werden kann. Die Bauchhaut wird bis zum Rippenbogen abgelöst, die Muskulatur bei Bedarf in der Mitte vernäht, und überschüssige Haut wird entfernt. Der Bauchnabel bleibt an seinem Stiel erhalten und wird in der gestrafften Haut neu eingesetzt. Bei geringem Befund kann eine Mini-Abdominoplastik mit kürzerem Schnitt reichen, bei Überschüssen auch an Flanken und Rücken ein zirkuläres Bodylift. Häufig wird die Straffung mit einer Fettabsaugung kombiniert. Oft werden für einige Tage Drainagen eingelegt; ein Kurzaufenthalt in der Klinik ist üblich.
Heilung und Verlauf
In den ersten Tagen wird mit leicht gebeugtem Oberkörper gelaufen und gelegen, um die Naht zu entlasten. Frühe Bewegung, Kompressionsstrümpfe und meist eine vorbeugende Gerinnungshemmung senken das Thromboserisiko. Ein Kompressionsmieder wird in der Regel mehrere Wochen getragen. Schwellungen, Spannungsgefühl und ein taubes Gefühl am Unterbauch sind normal; die Taubheit bessert sich oft über Monate, kann aber teilweise bleiben. Bürotätigkeit ist häufig nach etwa zwei bis drei Wochen möglich, schweres Heben und Bauchmuskeltraining erst nach mehreren Wochen und nach ärztlicher Freigabe. Die Narbe ist anfangs gerötet und verblasst meist über ein bis zwei Jahre.
Risiken und Komplikationen
- Serom: Ansammlung von Gewebeflüssigkeit unter der Haut, eine der häufigsten Komplikationen; sie muss eventuell punktiert werden
- Wundheilungsstörungen, besonders in der Mitte der Narbe, deutlich häufiger bei Rauchenden, Diabetes und starkem Übergewicht
- Nachblutungen, Hämatome und Infektionen
- Thrombose und Lungenembolie: selten, aber gefährlich; das Risiko ist bei Bauchstraffungen höher als bei vielen anderen ästhetischen Eingriffen, vor allem in Kombination mit weiteren Operationen
- verbreiterte oder wulstige Narben, Hundeohren an den Narbenenden, Asymmetrien, unnatürlich wirkender Bauchnabel
- bleibende Gefühlsstörungen und Korrektureingriffe
Eine spätere deutliche Gewichtszunahme oder eine erneute Schwangerschaft kann das Ergebnis wieder verändern.
Kosten und Krankenkasse
Eine rein ästhetisch begründete Bauchdeckenstraffung zahlen gesetzliche Krankenkassen nicht. Eine Übernahme ist nur im Einzelfall möglich, wenn ein krankheitswertiger Befund vorliegt, etwa wiederkehrende, trotz Behandlung anhaltende Hautentzündungen unter einer großen Fettschürze. Dafür muss vor der Operation ein Antrag gestellt werden, den die Kasse häufig vom Medizinischen Dienst prüfen lässt. Bei Folgebehandlungen von Komplikationen nach ästhetischen Eingriffen kann die Kasse Versicherte nach § 52 SGB V an den Kosten beteiligen.
Wichtig zu wissen
Die Abdominoplastik ist ein größerer Eingriff mit merklicher Erholungszeit. Sinnvoll sind eine Operateurin oder ein Operateur mit Facharzttitel für Plastische und Ästhetische Chirurgie, ein ausführliches Aufklärungsgespräch zu Narbenverlauf, Risiken und Grenzen sowie eine ausreichende Bedenkzeit. Rauchen sollte mehrere Wochen vor und nach der Operation unterbleiben. Alternativen sind je nach Befund eine Fettabsaugung, gezieltes Training bei leichter Rektusdiastase oder das bewusste Abwarten, bis Gewicht und Familienplanung stabil sind.
Verwandte Begriffe im Lexikon
Rektusdiastase, Liposuktion, Körperstraffung, Bauchnabelkorrektur, Serom, Thrombose, Narbe, Adipositas, Striae
Quellen
- Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC): Patienteninformationen zur Bauchdeckenstraffung
- American Society of Plastic Surgeons (ASPS): Tummy Tuck (Abdominoplasty) – Patient Information
- AWMF-S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE)
- Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), § 52 Leistungsbeschränkung bei Selbstverschulden
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, zahnärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: Oktober 2026.