Tinnitus: Ursachen, Abklärung und Behandlung

Medizin-Lexikon › Tinnitus (Kurzdefinition)

Kurz erklärt: Tinnitus bezeichnet Ohrgeräusche wie Pfeifen, Rauschen oder Summen, die ohne äußere Schallquelle wahrgenommen werden. Viele Menschen erleben ihn vorübergehend; bei einem Teil bleibt er dauerhaft bestehen und kann sehr belastend sein.

Ursachen

Häufig steht Tinnitus im Zusammenhang mit einer Schädigung des Innenohrs, etwa durch Lärm, altersbedingte Schwerhörigkeit oder einen Hörsturz. Weitere Ursachen sind Ohrenschmalzpfropfen, Mittelohrentzündungen, Verspannungen im Kiefer- und Nackenbereich, bestimmte Medikamente und selten Tumoren am Hörnerv. Das Gehirn verstärkt die Wahrnehmung, besonders bei Stress.

Abklärung

Eine HNO-ärztliche Untersuchung mit Ohrspiegelung und Hörtest ist sinnvoll, um behandelbare Ursachen zu finden. Einseitiger oder pulsierender Tinnitus sollte genauer abgeklärt werden, gegebenenfalls mit MRT.

Akuter Tinnitus

Tritt Tinnitus plötzlich zusammen mit Hörminderung auf, kann ein Hörsturz vorliegen, der zeitnah ärztlich beurteilt werden sollte. Viele akute Ohrgeräusche verschwinden innerhalb von Tagen bis Wochen von selbst.

Chronischer Tinnitus

Besteht Tinnitus länger als drei Monate, ist eine Heilung selten, die Belastung lässt sich aber gut verringern. Am besten belegt ist die kognitive Verhaltenstherapie, die hilft, die Aufmerksamkeit vom Geräusch zu lösen. Bei Schwerhörigkeit verbessern Hörgeräte oft auch den Tinnitus. Aufklärung, Entspannung und eine leichte Geräuschkulisse in ruhiger Umgebung unterstützen. Für Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und viele angebotene Geräte gibt es keinen ausreichenden Wirksamkeitsnachweis. Digitale Gesundheitsanwendungen auf Basis der Verhaltenstherapie sind verordnungsfähig.

Wann zum Arzt?

Plötzlicher Tinnitus mit Hörverlust, Schwindel, einseitige oder pulsierende Ohrgeräusche sowie starke psychische Belastung, Schlafstörungen oder Depressionen durch den Tinnitus sollten ärztlich abgeklärt werden.

Verwandte Begriffe im Lexikon

Innenohr, Hörsturz, Schwerhörigkeit, Lärmschwerhörigkeit, Audiometrie, Hörgerät, Kognitive Verhaltenstherapie, Akustikusneurinom, Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA)

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: S3-Leitlinie Chronischer Tinnitus, AWMF-Register 017-064
  • Deutsche Tinnitus-Liga: tinnitus-liga.de
  • IQWiG: gesundheitsinformation.de – Gesundheitsinformationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: Oktober 2026.