Nierensteine: Koliken, Behandlung und Vorbeugung

Medizin-Lexikon › Nierensteine (Kurzdefinition)

Kurz erklärt: Nierensteine sind feste Ablagerungen, die sich aus Bestandteilen des Urins in der Niere bilden. Gelangen sie in den Harnleiter, können sie heftige, krampfartige Schmerzen verursachen – die Nierenkolik. Harnsteine sind häufig und treten oft wiederholt auf.

Entstehung und Steinarten

Steine bilden sich, wenn steinbildende Stoffe im Urin übersättigt sind und auskristallisieren. Am häufigsten sind Calciumoxalatsteine, gefolgt von Harnsäure-, Calciumphosphat- und Infektsteinen; selten sind Cystinsteine bei einer erblichen Stoffwechselstörung. Begünstigend wirken eine geringe Trinkmenge, starkes Schwitzen, eine an tierischem Eiweiß und Salz reiche Ernährung, Übergewicht, Diabetes, Gicht, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und bestimmte Medikamente.

Beschwerden

Steine in der Niere bleiben oft unbemerkt. Wandert ein Stein in den Harnleiter, kommt es zu wellenartigen, sehr starken Schmerzen in der Flanke, die in Unterbauch, Leiste oder Genitalbereich ausstrahlen können, häufig mit Übelkeit, Erbrechen, Harndrang und Blut im Urin.

Warnzeichen für einen Notfall

Fieber oder Schüttelfrost bei einer Kolik können auf eine gestaute, infizierte Niere hinweisen. Dieser Zustand kann zu einer Blutvergiftung (Urosepsis) führen und muss sofort im Krankenhaus behandelt werden; meist wird der Harnabfluss dann über eine Harnleiterschiene oder einen Katheter durch die Haut entlastet. Auch kaum beherrschbare Schmerzen, fehlende Urinausscheidung oder ein Stein bei nur einer funktionierenden Niere erfordern eine sofortige ärztliche Versorgung.

Behandlung

Akut stehen Schmerzmittel im Vordergrund, häufig nichtsteroidale Antirheumatika wie Diclofenac, gegebenenfalls auch Metamizol oder Opioide. Kleine Steine bis etwa fünf bis sechs Millimeter gehen oft von selbst ab; Medikamente wie Tamsulosin können den Abgang von Harnleitersteinen erleichtern (dafür nicht zugelassen, sogenannter Off-Label-Einsatz). Größere oder nicht abgehende Steine werden mit Stoßwellen von außen zertrümmert (ESWL), über eine Harnleiterspiegelung (Ureterorenoskopie) mit Laser entfernt oder bei großen Nierensteinen über einen kleinen Zugang durch die Haut (perkutane Nephrolitholapaxie) behandelt. Harnsäuresteine lassen sich oft durch Alkalisierung des Urins medikamentös auflösen.

Vorbeugung

Wer einmal einen Stein hatte, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für weitere. Die wichtigste Maßnahme ist, ausreichend zu trinken, sodass täglich etwa zwei bis zweieinhalb Liter Urin ausgeschieden werden. Hilfreich sind außerdem wenig Salz, maßvoller Konsum tierischen Eiweißes, eine normale Calciumzufuhr über die Nahrung und ein gesundes Körpergewicht. Eine Steinanalyse und bei wiederholten Steinen eine Stoffwechseluntersuchung zeigen, ob gezielte Ernährungsanpassungen oder Medikamente sinnvoll sind.

Verwandte Begriffe im Lexikon

Nierenkolik, Tamsulosin, Harnleiter, Calciumoxalat, Harnsäure, Hämaturie, Stoßwellenlithotripsie, Ureterorenoskopie, Urosepsis, Gicht

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU): S2k-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis“, AWMF-Register 043-025 (Stand 2019, in Überarbeitung)
  • European Association of Urology (EAU): Guidelines on Urolithiasis (jährliche Aktualisierung)
  • IQWiG: gesundheitsinformation.de – Gesundheitsinformationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: Oktober 2026.