Kryolipolyse (Fettvereisung): Wirkung und Risiken

Medizin-Lexikon › Kryolipolyse (Kurzdefinition)

Kurz erklärt: Die Kryolipolyse, umgangssprachlich Fettvereisung, ist ein Verfahren, bei dem umschriebene Fettpolster von außen gezielt gekühlt werden. Fettzellen reagieren empfindlicher auf Kälte als die umgebende Haut und gehen teilweise zugrunde. Das Verfahren kann kleinere Polster etwas verringern, ist aber keine Methode zum Abnehmen und ersetzt keine Fettabsaugung.

Wie funktioniert die Kryolipolyse?

Ein Applikator saugt das Fettpolster an oder wird flach aufgelegt und kühlt das Gewebe über eine festgelegte Zeit kontrolliert ab. Die Kälte löst in einem Teil der Fettzellen einen programmierten Zelltod aus. Die abgestorbenen Zellen werden in den folgenden Wochen bis Monaten von Fresszellen des Immunsystems abgebaut, das Fett wird über den Stoffwechsel verarbeitet. Die Haut wird durch die begrenzte Temperatur in der Regel nicht geschädigt. Geräte für die Kryolipolyse sind Medizinprodukte; in den USA hat die FDA verschiedene Geräte für bestimmte Körperregionen freigegeben.

Für wen ist sie geeignet?

Infrage kommt die Kryolipolyse für Menschen mit annähernd normalem Körpergewicht und gut abgrenzbaren, tastbaren Fettpolstern, etwa an Bauch, Flanken, Oberschenkeln, Doppelkinn oder Rücken, die auf Ernährung und Bewegung nicht ansprechen. Bei Übergewicht, erschlaffter Haut, Cellulite oder Lipödem ist sie nicht die passende Behandlung. Nicht angewendet werden darf sie bei Kälteerkrankungen wie Kryoglobulinämie, Kälteagglutininkrankheit oder Kälteurtikaria, außerdem nicht über Brüchen der Bauchwand, Narben, Hautentzündungen oder in der Schwangerschaft.

Ablauf und Ergebnis

Eine Sitzung pro Areal dauert meist etwa 35 bis 75 Minuten. Anfangs wird starke Kälte und ein Ziehen empfunden, das nach einigen Minuten nachlässt. Nach dem Ablösen des Applikators wird das Gewebe oft massiert. Sichtbare Veränderungen zeigen sich frühestens nach einigen Wochen, das volle Ergebnis nach etwa zwei bis drei Monaten. Studien berichten über eine messbare, aber meist moderate Verringerung der Fettschicht im behandelten Bereich; oft sind mehrere Sitzungen nötig. Das Körpergewicht ändert sich kaum. Bleibt das Gewicht stabil, gelten die abgebauten Zellen als dauerhaft entfernt; bei Gewichtszunahme können verbliebene Fettzellen wieder wachsen.

Nebenwirkungen und Risiken

  • Rötung, Schwellung, Blutergüsse und Druckempfindlichkeit
  • Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Juckreiz über Wochen
  • verzögert einsetzende Schmerzen, besonders am Bauch, in den ersten Wochen
  • paradoxe adipöse Hyperplasie: eine seltene Komplikation, bei der das behandelte Fettpolster nach Wochen bis Monaten nicht schrumpft, sondern sich verhärtet und vergrößert; sie bildet sich meist nicht von selbst zurück und wird in der Regel operativ, etwa durch Fettabsaugung, behandelt
  • selten Erfrierungen der Haut bei Anwendungsfehlern
  • Unebenheiten oder Dellen

Kosten und wichtig zu wissen

Die Kryolipolyse ist eine ästhetische Selbstzahlerleistung. Vor der Behandlung sollten Befund und Alternativen ärztlich beurteilt werden, etwa ob es sich um ein einfaches Fettpolster, eine Bauchwandschwäche oder ein Lipödem handelt. Fragen nach Gerät, Erfahrung der behandelnden Person, realistischen Ergebnissen und dem Vorgehen bei Komplikationen sind sinnvoll, ebenso eine Bedenkzeit. Alternativen sind je nach Situation eine Umstellung von Ernährung und Bewegung, die Fettabsaugung, bei kleinen Polstern im Gesicht Injektionen mit Deoxycholsäure oder andere energiebasierte Verfahren.

Verwandte Begriffe im Lexikon

Liposuktion, Paradoxe adipöse Hyperplasie, Pannikulitis, Kryoglobuline, Hernie, Cellulite, Adipositas, Deoxycholsäure, HIFU

Quellen

  • Ingargiola MJ et al.: Cryolipolysis for fat reduction and body contouring: safety and efficacy of current treatment paradigms. Plast Reconstr Surg 2015
  • Jalian HR et al.: Paradoxical adipose hyperplasia after cryolipolysis. JAMA Dermatol 2014
  • U.S. Food and Drug Administration (FDA): 510(k)-Freigaben für Kryolipolyse-Geräte zur Fettreduktion
  • Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte (MDR)

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, zahnärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: Oktober 2026.