Medizin-Lexikon › Hidradenitis suppurativa (Kurzdefinition)
Kurz erklärt: Hidradenitis suppurativa, auch Acne inversa genannt, ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die von den Haarwurzeln ausgeht. Es bilden sich wiederkehrend schmerzhafte Knoten, Abszesse und Gänge, vor allem in Achseln, Leisten und im Genital- und Gesäßbereich. Sie ist nicht ansteckend und keine Folge mangelnder Hygiene.
Ursachen und Risikofaktoren
Am Anfang steht eine Verstopfung und Entzündung der Haarfollikel. Platzen diese im Gewebe auf, kommt es zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems mit Knoten, Eiterbildung und später unterirdischen Gängen (Fisteln) und Narben. Eine erbliche Veranlagung spielt eine Rolle. Rauchen und Übergewicht gelten als wichtige Faktoren, die Auftreten und Schwere begünstigen. Reibung an Hautfalten und hormonelle Einflüsse können Schübe fördern. Die Erkrankung beginnt meist nach der Pubertät; in Europa sind Frauen häufiger betroffen.
Symptome und Verlauf
- tiefe, schmerzhafte Knoten, die über Tage wachsen und sich teils öffnen
- wiederkehrende Abszesse an denselben Stellen
- Gänge unter der Haut, aus denen Eiter oder Wundsekret austritt, oft mit Geruch
- strangförmige Narben und eingeschränkte Beweglichkeit, etwa in der Achsel
Der Verlauf ist schubweise und sehr unterschiedlich. Viele Betroffene erleben eine erhebliche Belastung durch Schmerzen, Geruch und Scham; Depressionen und sozialer Rückzug kommen häufiger vor. Die Diagnose wird oft erst nach Jahren gestellt, weil die Knoten zunächst für Furunkel gehalten werden.
Diagnose und Schweregrade
Die Diagnose stützt sich auf das typische Bild: wiederkehrende Entzündungen an den charakteristischen Körperstellen. Zur Einteilung dienen die Hurley-Stadien I bis III, die von einzelnen Abszessen ohne Gänge bis zu großflächigen, vernetzten Gängen reichen, sowie Punktesysteme wie der IHS4, der entzündliche Knoten, Abszesse und Gänge zählt. Häufig bestehen Begleiterkrankungen wie Stoffwechselstörungen oder entzündliche Darmerkrankungen, die mit abgeklärt werden sollten.
Behandlung mit Medikamenten
Bei leichten Formen werden antiseptische Waschlösungen und antibiotische Lösungen wie Clindamycin auf die Haut aufgetragen. Bei stärkerer Ausprägung kommen Antibiotika zum Einnehmen über mehrere Wochen in Frage, etwa aus der Gruppe der Tetracycline oder eine Kombination aus Clindamycin und Rifampicin. Bei mittelschwerer bis schwerer Erkrankung, die darauf nicht ausreichend anspricht, stehen Biologika zur Verfügung, die gezielt Entzündungsbotenstoffe hemmen; in der EU zugelassen sind Adalimumab, Secukinumab und Bimekizumab. Sie können Schübe und Schmerzen deutlich verringern, heilen die Erkrankung aber nicht. Schmerztherapie und Wundversorgung gehören immer dazu.
Operation
Bereits entstandene Gänge und Narben bilden sich mit Medikamenten meist nicht zurück. Hier hilft oft nur ein Eingriff: Bei der sogenannten Entdachung (Deroofing) wird das Dach eines Ganges entfernt, sodass er offen abheilen kann; bei ausgedehntem Befall wird das betroffene Areal großzügig entfernt. Eine reine Eröffnung von Abszessen lindert akut, verhindert aber keine Wiederkehr. Kombinationen aus Medikamenten und Operation sind häufig sinnvoll.
Was Betroffene selbst tun können
Ein Rauchstopp und bei Übergewicht eine Gewichtsabnahme können den Verlauf günstig beeinflussen. Lockere Kleidung reduziert Reibung. Wichtig ist eine frühe Vorstellung in einer dermatologischen Praxis oder Spezialsprechstunde, weil eine rechtzeitige Behandlung Narben und Gangbildung begrenzen kann. Selbsthilfegruppen bieten Austausch und Unterstützung.
Verwandte Begriffe im Lexikon
Hidradenitis suppurativa, Abszess, Fistel, Furunkel, Akne, Adalimumab, Secukinumab, Bimekizumab, Clindamycin
Quellen
- S2k-Leitlinie zur Therapie der Hidradenitis suppurativa / Acne inversa (Deutsche Dermatologische Gesellschaft, AWMF)
- European Medicines Agency (EMA): Produktinformationen zu Adalimumab, Secukinumab und Bimekizumab (Anwendungsgebiet Hidradenitis suppurativa)
- European Hidradenitis Suppurativa Foundation (EHSF): Informationen für Patientinnen und Patienten
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Nutzenbewertungen zu Arzneimitteln bei Hidradenitis suppurativa
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, zahnärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: November 2026.