Angststörungen: Formen, Ursachen und Behandlung

Medizin-Lexikon › Angststörung (Kurzdefinition)

Kurz erklärt: Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Von einer Störung spricht man, wenn Ängste unangemessen stark oder häufig auftreten, lange anhalten und das Leben deutlich einschränken – etwa weil Betroffene viele Situationen vermeiden.

Formen

Bei der Panikstörung treten wiederholt plötzliche Angstanfälle mit Herzrasen, Atemnot, Schwindel und Todesangst auf. Die Agoraphobie ist die Angst vor Orten oder Situationen, aus denen eine Flucht schwierig erscheint, etwa Menschenmengen, öffentliche Verkehrsmittel oder Reisen allein. Bei der generalisierten Angststörung stehen anhaltende, kaum kontrollierbare Sorgen über alltägliche Dinge im Vordergrund, oft mit Anspannung, Unruhe und Schlafstörungen. Die soziale Angststörung betrifft Situationen, in denen man im Mittelpunkt steht oder bewertet werden könnte. Spezifische Phobien richten sich auf einzelne Auslöser wie Tiere, Höhe, Spritzen oder Fliegen.

Ursachen

Angststörungen entstehen aus einem Zusammenspiel von erblicher Veranlagung, Lernerfahrungen, belastenden Lebensereignissen und Stress. Aufrechterhalten werden sie häufig durch Vermeidung und Sicherheitsverhalten: Wer angstauslösende Situationen meidet, fühlt sich kurzfristig erleichtert, macht aber nie die Erfahrung, dass die befürchtete Katastrophe ausbleibt. Körperliche Ursachen wie eine Schilddrüsenüberfunktion, Herzrhythmusstörungen oder Substanzen wie Koffein, Drogen und manche Medikamente sollten ärztlich ausgeschlossen werden.

Behandlung

Angststörungen sind gut behandelbar. Erste Wahl ist laut S3-Leitlinie die kognitive Verhaltenstherapie, in der Betroffene ihre Angstgedanken überprüfen und sich in der Konfrontation (Exposition) schrittweise den gefürchteten Situationen stellen. Auch psychodynamische Psychotherapie kann eingesetzt werden. Medikamentös sind vor allem bestimmte Antidepressiva (SSRI und SNRI) wirksam, die regelmäßig und über mehrere Monate eingenommen werden; ihre Wirkung setzt erst nach einigen Wochen ein. Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine werden wegen der Abhängigkeitsgefahr nicht für die Dauerbehandlung empfohlen. Psychotherapie und Medikamente lassen sich kombinieren.

Selbsthilfe

Wissen über Angst und ihre körperlichen Reaktionen, regelmäßige Bewegung, Entspannungsverfahren und das Vermeiden von Rückzug können die Behandlung unterstützen. Selbsthilfegruppen und geprüfte digitale Gesundheitsanwendungen bieten zusätzliche Unterstützung, ersetzen bei ausgeprägten Beschwerden aber keine Therapie.

Wann Hilfe suchen?

Wenn Ängste den Alltag, Beruf oder Beziehungen einschränken oder Situationen zunehmend vermieden werden, ist ein Gespräch in der hausärztlichen Praxis oder eine psychotherapeutische Sprechstunde ein guter erster Schritt. Brustschmerzen und Atemnot sollten beim ersten Auftreten immer ärztlich abgeklärt werden, da sie auch körperliche Ursachen haben können. Bei Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, sollte sofort Hilfe gesucht werden, zum Beispiel über den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 oder im Notfall über 112.

Verwandte Begriffe im Lexikon

Panikattacke, Agoraphobie, Generalisierte Angststörung, Phobie, Sicherheitsverhalten, Kognitive Verhaltenstherapie, Expositionstherapie, Vermeidungsverhalten, Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Psychotherapeutische Sprechstunde

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) u. a.: S3-Leitlinie „Behandlung von Angststörungen“, AWMF-Register 051-028
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): ICD-11, Kapitel „Angst- und furchtbezogene Störungen“
  • IQWiG: gesundheitsinformation.de – Gesundheitsinformationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: Oktober 2026.