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Gen-Editierung gegen Herzinfarkt: Eine Infusion senkt LDL-Cholesterin um bis zu 62 Prozent

Anatomisches Herzmodell vor blauem Hintergrund

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache – und ein zentraler Hebel für ein langes, gesundes Leben. Eine Gentherapie von Eli Lilly könnte die tägliche Tablette gegen hohes Cholesterin eines Tages durch eine einmalige Infusion ersetzen. Neue Zwischendaten wurden im Mai 2026 auf dem Kongress der European Atherosclerosis Society vorgestellt.

So funktioniert VERVE-102

Das Gen PCSK9 bildet ein Eiweiß, das die LDL-Rezeptoren der Leber abbaut. Weniger Rezeptoren bedeuten, dass mehr „schlechtes“ LDL-Cholesterin im Blut verbleibt. Menschen mit einer natürlichen Funktionsstörung dieses Gens haben lebenslang niedrige LDL-Werte und deutlich seltener Herzinfarkte.

VERVE-102 ahmt diesen natürlichen Schutz nach. Es handelt sich um einen sogenannten Basen-Editor: Statt die DNA wie die klassische Gen-Schere CRISPR-Cas9 zu durchtrennen, tauscht er gezielt einen einzelnen DNA-Baustein aus und schaltet PCSK9 so in den Leberzellen ab. Die Bauanleitung gelangt in Lipid-Nanopartikeln in die Leber.

Die Ergebnisse der Heart-2-Studie

  • Teilnehmende: 35 Personen mit familiärer Hypercholesterinämie oder früher koronarer Herzkrankheit, sechs Dosisstufen
  • PCSK9: im Mittel 51 Prozent (niedrigste Dosis) bis 88 Prozent (höchste Dosis) weniger
  • LDL-Cholesterin: bis zu 62 Prozent niedriger in der höchsten Dosisgruppe
  • Dauer: Die Senkung hielt an; einzelne Teilnehmende wurden bis zu 18 Monate nachbeobachtet
  • Sicherheit: keine schwerwiegenden therapiebedingten Nebenwirkungen; berichtet wurden leichte Infusionsreaktionen und Müdigkeit

Wie geht es weiter?

Lilly will noch 2026 mit einer Phase-2-Studie beginnen. Die FDA hat dem Programm den beschleunigten „Fast Track“-Status gewährt. Alle Behandelten werden bis zu 15 Jahre nachbeobachtet, wie es die Behörde bei Gen-Editierung empfiehlt.

Einordnung

Die Daten sind vielversprechend, aber noch früh. Die Studie war nicht darauf ausgelegt zu zeigen, ob tatsächlich weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle auftreten – das müssen große Endpunktstudien klären. Auch die Langzeitsicherheit einer dauerhaften Veränderung des Erbguts in der Leber ist noch nicht abschließend beurteilbar. Zusammen mit der CRISPR-Therapie CTX310, die das Gen ANGPTL3 abschaltet, zeigt VERVE-102, dass die Gen-Editierung bei häufigen Volkskrankheiten angekommen ist.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. VERVE-102 ist eine experimentelle Therapie und nicht zugelassen.

Quellen

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