Medizin-Lexikon › Schlaganfall (Kurzdefinition)
Kurz erklärt: Ein Schlaganfall ist eine plötzliche Durchblutungsstörung oder Blutung im Gehirn, durch die Nervenzellen innerhalb kurzer Zeit absterben. Er ist ein Notfall: Je schneller die Behandlung beginnt, desto mehr Hirngewebe lässt sich retten.
Formen und Ursachen
Rund vier von fünf Schlaganfällen sind ischämisch: Ein Blutgerinnsel verschließt eine Hirnarterie, etwa als Folge von Arteriosklerose der Halsschlagader oder als Embolie aus dem Herzen bei Vorhofflimmern. Seltener ist ein hämorrhagischer Schlaganfall durch eine Hirnblutung, häufig bei langjährigem Bluthochdruck, oder eine Subarachnoidalblutung aus einem geplatzten Aneurysma. Bilden sich die Ausfälle innerhalb kurzer Zeit vollständig zurück, spricht man von einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA); sie gilt als ernstes Warnsignal für einen drohenden Schlaganfall.
Warnzeichen erkennen
Typisch sind plötzlich auftretende Beschwerden: Lähmung oder Taubheit einer Körperseite, ein hängender Mundwinkel, Sprach- oder Verständnisstörungen, Sehstörungen oder Doppelbilder, Schwindel mit Gangunsicherheit sowie ein schlagartiger, sehr heftiger Kopfschmerz. Als Merkhilfe dient der BE-FAST-Test (Balance, Eyes, Face, Arms, Speech, Time): Gleichgewicht und Sehen prüfen, lächeln lassen, beide Arme heben lassen, einen einfachen Satz nachsprechen lassen – und bei Auffälligkeiten sofort den Notruf 112 wählen. Auch wenn die Beschwerden schnell wieder verschwinden, ist eine sofortige Abklärung nötig.
Behandlung im Krankenhaus
Die Versorgung erfolgt idealerweise auf einer spezialisierten Schlaganfallstation (Stroke Unit). Eine Computer- oder Kernspintomographie klärt zunächst, ob ein Gefäßverschluss oder eine Blutung vorliegt. Beim ischämischen Schlaganfall kann das Gerinnsel innerhalb eines begrenzten Zeitfensters mit einem Medikament aufgelöst werden (Thrombolyse); bei Verschlüssen großer Gefäße wird es zusätzlich oder allein mit einem Katheter entfernt (Thrombektomie). Beide Verfahren haben Risiken, vor allem Blutungen, und werden individuell abgewogen. Bei Hirnblutungen stehen Blutdrucksenkung, die Aufhebung gerinnungshemmender Medikamente und gegebenenfalls eine Operation im Vordergrund.
Rehabilitation und Nachsorge
Viele Betroffene behalten Lähmungen, Sprach-, Schluck- oder Gedächtnisstörungen zurück. Eine frühzeitig beginnende Rehabilitation mit Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und neuropsychologischer Behandlung hilft, verlorene Fähigkeiten wiederzuerlangen oder auszugleichen. Auch Depressionen nach einem Schlaganfall sind häufig und behandelbar.
Vorbeugung
Der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor ist Bluthochdruck. Hinzu kommen Vorhofflimmern, Diabetes, erhöhte Blutfette, Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht und hoher Alkoholkonsum. Regelmäßige Blutdruckkontrollen, die Behandlung von Vorhofflimmern mit Gerinnungshemmern, ein rauchfreies Leben und Bewegung senken das Risiko deutlich. Nach einem Schlaganfall werden je nach Ursache Medikamente zur Vorbeugung eines weiteren Ereignisses eingesetzt.
Verwandte Begriffe im Lexikon
Transitorische ischämische Attacke (TIA), Stroke Unit, Thrombolyse, Thrombektomie, Hirnblutung, Aphasie, Vorhofflimmern, Arteriosklerose, Karotisstenose, Hemiparese
Weiterlesen auf Medizin Aktuell
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): S2e-Leitlinie „Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls“, AWMF-Register 030-046
- Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM): S3-Leitlinie „Schlaganfall“, AWMF-Register 053-011
- IQWiG: gesundheitsinformation.de – Gesundheitsinformationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: Oktober 2026.