Eine US-Laboranalyse fand in jedem dritten getesteten Hautpflegeprodukt ein starkes Kortison, das nicht auf dem Etikett stand – teils in höherer Dosis als in verschreibungspflichtigen Salben.
Cremes gegen Ekzeme, Schuppenflechte oder Pigmentflecken, die frei verkäuflich angeboten werden, können nicht deklarierte Arzneistoffe enthalten. Das zeigt eine Untersuchung, die in der Fachzeitschrift JAMA Network Open erschienen ist. Die Forschenden ließen 18 Produkte im Labor analysieren. Ausgewählt wurden sie anhand ihrer Werbeversprechen und ihrer Beliebtheit bei Käuferinnen und Käufern.
Clobetasol in sechs von 18 Produkten
In sechs der 18 Produkte, also einem Drittel, fanden sich Wirkstoffe, die auf der Verpackung nicht angegeben waren. Alle sechs enthielten Clobetasolpropionat, eines der stärksten Kortisonpräparate für die Haut. Zwei Produkte enthielten zusätzlich ein Mittel gegen Pilze.
Die gemessenen Konzentrationen lagen zwischen etwa 0,01 und 0,46 Prozent. Der höchste Wert war mehr als neunmal so hoch wie in zugelassenen Clobetasol-Präparaten, die üblicherweise 0,05 Prozent enthalten.
Warum das gefährlich ist
Clobetasol ist in Deutschland verschreibungspflichtig. Ärztinnen und Ärzte setzen es gezielt und meist nur kurz ein, weil es bei längerer Anwendung die Haut dünner machen, Dehnungsstreifen und Infektionen begünstigen und über die Haut in den Körper gelangen kann. Wer ein solches Produkt unwissentlich über Wochen auf großen Flächen oder im Gesicht verwendet, setzt sich diesen Risiken aus. Beim Absetzen kann sich die Haut zudem deutlich verschlechtern.
Einordnung der Redaktion
Die Stichprobe ist klein und nicht repräsentativ für alle Hautpflegeprodukte. Sie bestätigt aber Warnungen von Behörden in mehreren Ländern, die seit Jahren Cremes mit verstecktem Kortison aus dem Verkehr ziehen. Vorsicht ist besonders bei Produkten geboten, die sehr schnelle Wirkung gegen Ekzeme oder eine Aufhellung der Haut versprechen und über Online-Marktplätze ohne klare Herstellerangaben vertrieben werden.
Unser Rat: Hautcremes mit medizinischem Anspruch in der Apotheke kaufen und bei anhaltenden Hautproblemen ärztlichen Rat einholen. Wenn sich die Haut nach dem Absetzen eines Produkts plötzlich stark verschlechtert, kann das ein Hinweis auf verstecktes Kortison sein.
Quellen
- JAMA Network Open, 2026 – zusammengefasst in: Dermatology Times, Journal Digest vom 14.10.2026
- DermNet: Unregulated topical steroids in commercial medication



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