Zahnfleischrückgang: Ursachen, Folgen und Behandlung

Medizin-Lexikon › Zahnfleischrückgang (Kurzdefinition)

Kurz erklärt: Beim Zahnfleischrückgang (Gingivarezession) zieht sich das Zahnfleisch vom Zahn zurück, sodass ein Teil der Zahnwurzel frei liegt. Die Zähne wirken dadurch länger, die Zahnhälse können empfindlich auf Kälte reagieren, und die freiliegende Wurzel ist anfälliger für Karies. Rückgang lässt sich meist aufhalten; verlorenes Zahnfleisch wächst von allein aber nicht nach.

Ursachen

  • Parodontitis: Die chronische Entzündung zerstört Zahnhalteapparat und Knochen; das Zahnfleisch folgt dem Knochenverlust.
  • Ungeeignete Putztechnik: zu kräftiges, waagerechtes Schrubben und harte Bürsten können vor allem dünnes Zahnfleisch schädigen.
  • Anatomische Voraussetzungen: dünnes Zahnfleisch, eine dünne Knochenwand über der Wurzel, Zähne, die weit außen im Bogen stehen, oder straff ansetzende Lippen- und Wangenbändchen.
  • Kieferorthopädische Zahnbewegungen über die Knochengrenze hinaus.
  • Weitere Faktoren: Rauchen, Lippen- oder Zungenpiercings, schlecht sitzende Füllungs- oder Kronenränder.

Ob Zähneknirschen Zahnfleischrückgang fördert, ist nicht eindeutig belegt; es kann aber keilförmige Defekte am Zahnhals begünstigen.

Anzeichen und Folgen

Erste Hinweise sind länger wirkende Zähne, sichtbare Übergänge zwischen Schmelz und Wurzel, dunkle Dreiecke zwischen den Zähnen oder ein kurzer, ziehender Schmerz bei Kälte, Süßem oder beim Zähneputzen. Freiliegende Wurzeloberflächen sind weicher als Zahnschmelz und neigen zu Wurzelkaries und Abnutzung. Bei Rückgang durch Parodontitis kommen oft Zahnfleischbluten, Mundgeruch und gelockerte Zähne hinzu. Rückgang ohne Entzündung verläuft dagegen oft lange beschwerdearm.

Diagnose

Die Zahnärztin oder der Zahnarzt misst, wie weit das Zahnfleisch zurückgewichen ist und wie viel Halteapparat zwischen den Zähnen noch vorhanden ist. Daraus ergibt sich eine Einteilung, die nach der internationalen Klassifikation von 2018 in drei Typen unterscheidet und abschätzen hilft, wie gut sich eine Wurzel wieder abdecken lässt. Zusätzlich werden Taschentiefen, Blutungsneigung, Zahnfleischdicke, Putzgewohnheiten und gegebenenfalls Röntgenbilder beurteilt, um eine Parodontitis zu erkennen oder auszuschließen.

Behandlung

Zuerst werden die Ursachen angegangen: eine schonende Putztechnik mit weicher Bürste oder Schallzahnbürste, Behandlung einer Parodontitis, Verzicht auf Rauchen und Entfernen störender Piercings. Empfindliche Zahnhälse lassen sich mit fluoridhaltigen Zahnpasten und Lacken oder desensibilisierenden Mitteln lindern; Defekte am Zahnhals können mit zahnfarbenen Füllungen versorgt werden. Um freiliegende Wurzeln wieder abzudecken oder dünnes Zahnfleisch zu verstärken, gibt es plastisch-parodontalchirurgische Verfahren: Dabei wird Zahnfleisch verschoben und häufig mit einem Bindegewebstransplantat, meist aus dem Gaumen, unterfüttert. Alternativ kommen Kollagenmatrices oder Schmelz-Matrix-Proteine infrage. Wie vollständig eine Abdeckung gelingt, hängt vor allem vom verbliebenen Knochen zwischen den Zähnen ab.

Risiken, Kosten und wichtig zu wissen

Nach chirurgischer Deckung sind Schwellungen und Schmerzen, besonders an der Entnahmestelle am Gaumen, häufig; seltener kommt es zu Nachblutungen, Infektionen oder einer nur teilweisen Abdeckung. Die systematische Parodontitistherapie ist bei Vorliegen der Voraussetzungen eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen, plastische Deckungen aus ästhetischen Gründen meist nicht. Ein Heil- und Kostenplan sowie eine Aufklärung über Erfolgsaussichten und Alternativen sind vor einem Eingriff wichtig. Regelmäßige Kontrollen und professionelle Zahnreinigung helfen, ein Fortschreiten früh zu erkennen.

Verwandte Begriffe im Lexikon

Zahnfleisch, Parodontitis, Dentinhypersensibilität, Zahnhalskaries, Abfraktion, Bindegewebstransplantat, Schmelz-Matrix-Proteine, Zahnfleischtasche, Professionelle Zahnreinigung

Quellen

  • Cortellini P, Bissada NF: Mucogingival conditions in the natural dentition: Narrative review, case definitions, and diagnostic considerations. J Periodontol 2018 (World Workshop on the Classification of Periodontal and Peri-Implant Diseases and Conditions)
  • Cairo F et al.: The interproximal clinical attachment level to classify gingival recessions and predict root coverage outcomes. J Clin Periodontol 2011
  • AWMF-S3-Leitlinie Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III (DG PARO, DGZMK)
  • Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Richtlinie zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderer Parodontalerkrankungen (PAR-Richtlinie)

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, zahnärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: Oktober 2026.