Medizin-Lexikon › Fadenlifting (Kurzdefinition)
Kurz erklärt: Beim Fadenlifting werden feine Fäden mit kleinen Widerhaken oder Kegeln unter die Haut eingeführt, um erschlafftes Gewebe etwas anzuheben. Zusätzlich soll die Reaktion des Körpers auf die Fäden die Bildung von Bindegewebe anregen. Der Eingriff ist kleiner als ein operatives Facelift, die Wirkung aber auch deutlich schwächer und zeitlich begrenzt.
Wie funktioniert ein Fadenlifting?
Heute werden überwiegend Fäden verwendet, die sich im Körper über Monate auflösen, etwa aus Polydioxanon, Polymilchsäure oder Polycaprolacton. Fäden mit Widerhaken oder Kegeln verankern sich im Unterhautgewebe und ziehen es in eine neue Position. Glatte Fäden ohne Widerhaken heben kaum an; sie sollen vor allem eine Gewebereaktion auslösen und die Haut etwas fester wirken lassen. Wenn sich die Fäden auflösen, lässt der mechanische Effekt nach; was bleibt, ist eine begrenzte Bindegewebsbildung. Fäden für die Anwendung am Menschen sind Medizinprodukte.
Für wen ist es geeignet?
Infrage kommt ein Fadenlifting am ehesten bei leichter bis mäßiger Erschlaffung, etwa im Bereich von Wangen, Kieferlinie, Augenbrauen oder Hals, bei noch guter Hautqualität. Bei deutlichem Hautüberschuss, schwerem Gewebe oder ausgeprägter Erschlaffung ist das Ergebnis meist enttäuschend; hier sind operative Verfahren wirksamer. Nicht behandelt werden sollte bei Infektionen im Behandlungsgebiet, aktiven Hauterkrankungen, Gerinnungsstörungen ohne Abklärung und in der Schwangerschaft.
Ablauf
Nach Aufklärung und Planung wird das Gebiet desinfiziert und örtlich betäubt. Über kleine Einstichstellen werden die Fäden mit einer Kanüle oder Nadel in der richtigen Gewebeschicht platziert, das Gewebe wird angehoben und die Fadenenden werden gekürzt. Die Behandlung dauert meist etwa eine halbe bis eine Stunde. Manchmal wird das Fadenlifting mit Fillern oder Botulinumtoxin kombiniert; jede Kombination erhöht auch die Zahl möglicher Nebenwirkungen.
Verlauf und Haltbarkeit
Schwellungen, Blutergüsse, Spannungsgefühle und leichte Unebenheiten sind in den ersten Tagen bis Wochen häufig. Starke Mimik, Massagen, Sport und Druck auf das Gesicht sollten einige Wochen vermieden werden. Die sichtbare Anhebung ist meist dezent und hält nach den verfügbaren Studien in vielen Fällen nur Monate bis etwa ein bis zwei Jahre. Systematische Übersichtsarbeiten bemängeln, dass die Studien klein sind, oft kurze Nachbeobachtungszeiten haben und die Ergebnisse überwiegend subjektiv bewertet werden.
Risiken und Nebenwirkungen
- Blutergüsse, Schwellungen und Schmerzen
- Einziehungen, Dellen und Asymmetrien
- sichtbare oder tastbare Fäden, Durchwandern eines Fadens durch die Haut
- Infektionen und Entzündungsreaktionen, teils mit Knötchenbildung
- selten Verletzung von Nervenästen, Speicheldrüsen oder Gefäßen
- vorzeitiger Verlust der Wirkung, wenn sich Fäden lösen
Bei Komplikationen müssen Fäden manchmal wieder entfernt werden, was nicht immer einfach ist.
Kosten und wichtig zu wissen
Ein Fadenlifting ist eine ästhetische Selbstzahlerleistung; bei Komplikationen kann die Krankenkasse Versicherte nach § 52 SGB V an den Kosten beteiligen. Vor der Behandlung sollten realistische Erwartungen, verwendetes Fadenmaterial, Erfahrung der behandelnden Person, Risiken und Alternativen besprochen und eine Bedenkzeit eingeplant werden. Alternativen sind je nach Befund Filler, energiebasierte Verfahren wie Radiofrequenz oder fokussierter Ultraschall, oder ein operatives Facelift bei stärkerer Erschlaffung.
Verwandte Begriffe im Lexikon
Facelift, Filler, Hautalterung, Botulinumtoxin, Kollagen, Biostimulatoren, Hämatom, Radiofrequenz-Microneedling, HIFU
Quellen
- Gülbitti HA et al.: Thread-Lift Sutures: Still in the Lift? A Systematic Review of the Literature. Plast Reconstr Surg 2018
- Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte (MDR)
- Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC): Patienteninformationen zu ästhetischen Eingriffen
- Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), § 52 Leistungsbeschränkung bei Selbstverschulden
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, zahnärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: Oktober 2026.