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Nasenspray und Aspirin gegen das Altern? Netzwerkanalyse durchsucht 6.400 Medikamente

Weiße Tabletten auf hellem Untergrund

Könnten längst zugelassene Medikamente das Altern verlangsamen? Diese Frage verfolgt ein Team um den Netzwerkforscher Albert-László Barabási von der Northeastern University in Boston, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Harvard. Ihre Ergebnisse erschienen im Juni 2026 in der Fachzeitschrift Nature Aging.

Der Ansatz: Altern als Netzwerk

Die Altersforschung beschreibt heute mehrere „Kennzeichen des Alterns“ (Hallmarks of Aging) – etwa gestörte Zellkommunikation, fehlerhafte Nährstoffwahrnehmung, Entzündung oder Funktionsverlust der Mitochondrien. Das Team verknüpfte drei große Datenquellen:

  • die Datenbank Open Genes mit 1.250 Genen, die mit einem oder mehreren von elf Alterungs-Kennzeichen verbunden sind,
  • das menschliche Interaktom, eine Karte von mehr als einer halben Million Wechselwirkungen zwischen Proteinen,
  • die Arzneimitteldatenbank DrugBank mit 6.442 Wirkstoffen.

Dabei zeigte sich, dass alterungsbezogene Gene im Netzwerk nicht zufällig verteilt sind, sondern in bestimmten „Nachbarschaften“ zusammenliegen. Medikamente, deren Zielproteine nahe an diesen Modulen liegen, könnten die entsprechenden Alterungsprozesse beeinflussen.

Die Ergebnisse

  • 370 Medikamente könnten nach der Analyse ein oder mehrere Alterungs-Kennzeichen beeinflussen.
  • 14 davon könnten das Altern potenziell bremsen, 14 es möglicherweise beschleunigen.
  • Überprüft wurde die Methode an 17 Wirkstoffen, die bereits in Langlebigkeitsstudien am Menschen getestet werden, und an 11 Medikamenten, die nachweislich die Lebensspanne von Mäusen verlängern.
  • Aspirin könnte laut Modell die Zellkommunikation positiv beeinflussen, aber zugleich die Nährstoffwahrnehmung stören – ein Beispiel dafür, dass Effekte nicht eindeutig „gut“ oder „schlecht“ sind.
  • Überraschend tauchte Oxymetazolin auf, ein Wirkstoff aus abschwellenden Nasensprays, als Kandidat zur Verbesserung der Zellkommunikation. Zellexperimente dazu laufen.

Wichtig: Keine Empfehlung zur Selbstmedikation

Die Forschenden betonen selbst, dass die Studie „kein Heilmittel gegen das Altern“ liefert und nicht belegt, dass irgendein Medikament das menschliche Leben verlängert. Es handelt sich um Vorhersagen eines Computermodells, die erst in Labor- und klinischen Studien bestätigt werden müssen. Gerade abschwellende Nasensprays sollten wegen der Gefahr einer Gewöhnung und Schädigung der Nasenschleimhaut ohnehin nur kurzfristig angewendet werden. Auch Aspirin ist wegen des Blutungsrisikos kein Mittel zur Selbstbehandlung.

Warum der Ansatz trotzdem spannend ist

Die Neuentwicklung eines Medikaments dauert oft mehr als ein Jahrzehnt. Bereits zugelassene Wirkstoffe haben dagegen bekannte Sicherheitsprofile. Netzwerkanalysen wie diese helfen, aus Tausenden Möglichkeiten die aussichtsreichsten Kandidaten für gezielte Studien auszuwählen – und könnten so die Altersforschung deutlich beschleunigen.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bitte nehmen Sie Medikamente nicht ohne ärztliche Rücksprache ein.

Quellen

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