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Biologische Uhren im Test: Welche Anti-Aging-Maßnahmen das Alter wirklich messbar verändern

Forscher arbeitet am Mikroskop im Labor

„Biologisches Alter: 38 – obwohl Sie 52 sind.“ Solche Ergebnisse versprechen kommerzielle Tests, die anhand von Blutproben sogenannte epigenetische Uhren auslesen. Doch wie verlässlich reagieren diese Uhren auf Ernährung, Sport, Medikamente oder Nahrungsergänzung? Eine im August 2026 in Nature Medicine veröffentlichte Analyse liefert eine ernüchternde, aber aufschlussreiche Antwort.

Was sind epigenetische Uhren?

Im Laufe des Lebens verändern sich chemische Markierungen auf unserer DNA, vor allem sogenannte Methylierungen. Aus diesen Mustern lassen sich mit mathematischen Modellen Altersschätzungen berechnen. Die erste Generation (etwa die Horvath- oder Hannum-Uhr) wurde darauf trainiert, das Kalenderalter vorherzusagen. Neuere Uhren wie DunedinPACE oder GrimAge sollen dagegen das Tempo des Alterns bzw. das Sterberisiko abbilden.

Die Studie

Forschende der Yale University und weiterer Einrichtungen werteten 51 Interventionsstudien am Menschen mit insgesamt 3.128 Blutproben neu aus – mit einer einheitlichen Methode und 16 verschiedenen epigenetischen Uhren sowie 94 weiteren Biomarkern. Mehrere Autoren sind mit dem Testanbieter TruDiagnostic verbunden, der Daten bereitstellte.

Die Ergebnisse

  • 19 von 51 Maßnahmen senkten das epigenetische Alter signifikant (13 nach strenger statistischer Korrektur).
  • 5 Maßnahmen erhöhten es.
  • 26 zeigten keinen messbaren Effekt.
  • Senolytika – Wirkstoffe, die gealterte „Zombie-Zellen“ beseitigen sollen – lieferten in fünf Studien widersprüchliche Ergebnisse, teils in entgegengesetzte Richtungen.
  • Konsistente Veränderungen zeigten u. a. Anti-TNF-Therapien (entzündungshemmende Medikamente) und zwei Protokolle der Mittelmeerdiät bei Gesunden.
  • Medikamente bewirkten insgesamt größere Effekte als Lebensstiländerungen oder Nahrungsergänzungsmittel.
  • Bei Menschen mit bestehenden Erkrankungen reagierten die Uhren stärker als bei Gesunden.

Die neueren Uhren der zweiten Generation erwiesen sich als deutlich verlässlicher als die frühen Modelle, die eher sprunghaft reagierten.

Was die Ergebnisse nicht bedeuten

Die Autoren warnen ausdrücklich vor Fehlinterpretationen: Dass eine Uhr auf eine Maßnahme reagiert, ist nur eine Voraussetzung dafür, sie künftig als Messgröße in Studien zu nutzen – kein Beweis, dass jemand tatsächlich länger oder gesünder lebt. Die gemessenen Effekte waren zudem eher klein (in der Größenordnung von etwa einem Jahr), und es gibt bislang keinen definierten Wert, ab dem eine Veränderung klinisch bedeutsam ist. Manche Uhren enthalten Entzündungswerte wie das C-reaktive Protein und könnten daher eher Entzündung als Alterung abbilden.

Fazit für Verbraucherinnen und Verbraucher

Ein niedrigerer Wert auf einem kommerziellen „Biological Age“-Test bedeutet nicht, dass man biologisch jünger geworden ist. Die Studie soll vor allem helfen, künftige Alternsstudien besser zu planen – nicht als Grundlage für Kaufentscheidungen bei Supplementen. Für ein gesundes Altern bleiben die bekannten Grundlagen entscheidend: Bewegung, ausgewogene Ernährung, Nichtrauchen und die Behandlung chronischer Erkrankungen.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

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