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Anti-Aging-Gentherapie auf eigene Rechnung: Warum Fachleute vor unregulierten Angeboten warnen

Ampullen und Spritzen auf blauem Hintergrund

Während seriöse Gentherapien gegen das Altern gerade erst die ersten Sicherheitsstudien durchlaufen, werden andernorts bereits Behandlungen verkauft – ohne Zulassung und ohne belastbare Daten. Ein Bericht der MIT Technology Review zeigt, wie dieser Markt funktioniert und warum Expertinnen und Experten davor warnen.

Das Angebot

Im Mittelpunkt steht Próspera auf der honduranischen Insel Roatán, eine Sonderwirtschaftszone mit eigenem Regelwerk. Dort bietet die Firma Minicircle eine Gentherapie mit Follistatin an, einem Eiweiß, das den Muskelaufbau fördern soll – Berichten zufolge für rund 25.000 US-Dollar. Rigorose klinische Daten hat das Unternehmen nicht veröffentlicht.

Ein weiteres Unternehmen, Unlimited Bio, plante für Anfang 2026 eine Studie mit 12 bis 15 zahlenden Freiwilligen: Injektionen von Follistatin, teils kombiniert mit dem Gefäßwachstumsfaktor VEGF, in Arm- und Beinmuskeln. Später sollen Anwendungen gegen Haarausfall und Erektionsstörungen folgen. VEGF wird bereits in Kliniken in Honduras und Mexiko angeboten und von Influencern als „Langlebigkeits-Wirkstoff“ beworben.

Die Kritik

  • Gesundheitliche Risiken: Der finnische Gentherapie-Experte Seppo Ylä-Herttuala warnt, VEGF sei ein sehr potenter Wirkstoff, der Ödeme verursachen und – wenn er sich im Körper verteilt – sogar zur Erblindung führen könne. „VEGF ist kein Langlebigkeits-Medikament.“
  • Immunreaktionen: Gentherapien mit viralen Genfähren (AAV) können über Monate aktiv bleiben und Immunreaktionen auslösen.
  • Keine Aussagekraft: Die Bioethikerin Holly Fernandez Lynch (University of Pennsylvania) betont, dass so kleine Studien keine belastbaren Schlüsse erlauben – über Langlebigkeit schon gar nicht. Für gesunde Menschen wiegen Risiken besonders schwer.
  • Falsche Erwartungen: Prominente Werbung fördere ein „therapeutisches Missverständnis“, warnt der Gesundheitsforscher Michael Gusmano.

Worauf Sie achten sollten

Seriöse Gentherapie-Studien sind in öffentlichen Registern wie ClinicalTrials.gov oder dem EU-Studienregister eingetragen, werden von Zulassungsbehörden und Ethikkommissionen überwacht und verlangen von Teilnehmenden in der Regel kein Geld für die Behandlung. Angebote, die gegen hohe Bezahlung „Verjüngung“ versprechen, erfüllen diese Kriterien meist nicht. In Deutschland unterliegen Gentherapeutika als Arzneimittel für neuartige Therapien (ATMP) strengen Zulassungsregeln.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

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