Ein Zuckermolekül, das vor allem in Rind- und Lammfleisch vorkommt, könnte das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen. Das legen vorläufige Daten aus einer französischen Studie mit fast 90.000 Erwachsenen nahe.
Dass viel rotes Fleisch mit einem höheren Diabetes-Risiko einhergeht, ist seit Längerem bekannt. Warum das so ist, ist dagegen unklar. Eine mögliche Erklärung haben französische Forschende auf der Jahrestagung der Europäischen Diabetes-Gesellschaft (EASD) 2026 in Mailand vorgestellt: den Zucker N-Glycolylneuraminsäure, kurz Neu5Gc.
Ein Zucker, den der Mensch nicht selbst bildet
Die meisten Säugetiere stellen Neu5Gc selbst her, der Mensch nicht. Wir nehmen es über die Nahrung auf, vor allem über rotes Fleisch und in geringerem Maß über Milchprodukte. Forschende vermuten, dass das Immunsystem auf den fremden Zucker reagiert und so chronische Entzündungen begünstigt.
Die Ergebnisse
Das Team um Leopold Fezeu von der Université Sorbonne Paris Nord wertete Daten von 89.953 Erwachsenen aus der Kohorte NutriNet-Santé aus. Zu Beginn hatte niemand Diabetes. In durchschnittlich gut sieben Jahren erkrankten 966 Teilnehmende an Typ-2-Diabetes.
- Wer am meisten Neu5Gc aus Fleisch aufnahm, hatte ein um 63 Prozent höheres relatives Diabetes-Risiko als die Gruppe mit der geringsten Aufnahme.
- Neu5Gc aus Milchprodukten zeigte keinen Zusammenhang.
- Übergewicht erklärte nur einen kleinen Teil des Zusammenhangs, etwa 13 Prozent.
Einordnung der Redaktion
Die Ergebnisse sind vorläufig und noch nicht in einer Fachzeitschrift begutachtet. Als Beobachtungsstudie kann die Untersuchung keinen ursächlichen Zusammenhang belegen. Wichtig: Berücksichtigten die Forschenden die insgesamt verzehrte Menge an rotem Fleisch, war der Zusammenhang schwächer und nicht mehr statistisch eindeutig. Neu5Gc lässt sich also bisher nicht klar vom Fleischkonsum selbst trennen. Zudem ist der Anstieg des absoluten Risikos für den Einzelnen deutlich kleiner, als die 63 Prozent vermuten lassen.
An der bestehenden Empfehlung ändert sich nichts: Rotes und verarbeitetes Fleisch in Maßen essen und öfter auf Geflügel, Fisch oder Hülsenfrüchte ausweichen.
Quellen
- Fezeu L. et al., EASD-Jahrestagung 2026, Mailand (Kongressbeitrag) – berichtet von Medical News Today, 02.10.2026



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