Periimplantitis: Ursachen, Anzeichen und Behandlung

Medizin-Lexikon › Periimplantitis (Kurzdefinition)

Kurz erklärt: Periimplantitis ist eine bakteriell ausgelöste Entzündung des Gewebes rund um ein Zahnimplantat, bei der sich der umgebende Kieferknochen abbaut. Unbehandelt kann sie zum Verlust des Implantats führen. Sie ist die wichtigste Spätkomplikation in der Implantologie.

Mukositis und Periimplantitis

Ähnlich wie bei natürlichen Zähnen beginnt die Erkrankung meist mit einer Entzündung der Schleimhaut um das Implantat, der periimplantären Mukositis. Sie zeigt sich durch Rötung, Schwellung und Bluten beim Sondieren und ist bei konsequenter Behandlung umkehrbar. Greift die Entzündung auf den Knochen über, spricht man von Periimplantitis. Der Knochenabbau ist im Röntgenbild sichtbar und lässt sich nur begrenzt wieder aufbauen. Diese Einteilung beruht auf der internationalen Klassifikation von 2017.

Ursachen und Risikofaktoren

Hauptursache sind bakterielle Beläge (Biofilm) an der Implantatoberfläche. Das Risiko steigt deutlich bei:

  • einer früheren oder unbehandelten Parodontitis
  • unzureichender Mundhygiene und fehlender regelmäßiger Nachsorge
  • Rauchen
  • schlecht eingestelltem Diabetes
  • Zementresten unter dem Zahnfleisch nach dem Befestigen der Krone
  • schwer zu reinigendem Zahnersatz

Wie häufig Periimplantitis auftritt, hängt stark von der Definition in den Studien ab; sie ist jedoch keine seltene Komplikation.

Anzeichen

  • Bluten beim Zähneputzen oder bei der zahnärztlichen Untersuchung
  • Rötung und Schwellung der Schleimhaut, eventuell Eiteraustritt
  • zunehmende Taschentiefe um das Implantat
  • zurückgehendes Zahnfleisch mit sichtbaren Implantatgewinden
  • spät: Lockerung des Implantats

Schmerzen fehlen oft lange. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen mit Sondierung und, wenn nötig, Röntgenaufnahmen wichtig.

Behandlung

Zunächst werden die Beläge nicht-chirurgisch entfernt, die Implantatoberfläche gereinigt und die Mundhygiene verbessert; Risikofaktoren wie Zementreste oder schlecht zu reinigender Zahnersatz werden beseitigt. Reicht das nicht, folgt ein chirurgischer Eingriff: Das Zahnfleisch wird aufgeklappt, die Oberfläche gründlich dekontaminiert, und je nach Knochendefekt wird das Gewebe neu geformt oder ein Knochenaufbau versucht. Antibiotika werden allenfalls ergänzend und gezielt eingesetzt. Ist der Knochenverlust weit fortgeschritten, kann die Entfernung des Implantats die bessere Lösung sein.

Vorbeugung und Nachsorge

Vor einer Implantation sollte eine bestehende Parodontitis behandelt sein. Nach der Versorgung sind gründliche häusliche Reinigung, auch mit Interdentalbürsten, und eine lebenslange, auf das persönliche Risiko abgestimmte Nachsorge mit professioneller Reinigung entscheidend. Rauchstopp und eine gute Blutzuckereinstellung senken das Risiko. Die Behandlung von Implantatkomplikationen ist in der gesetzlichen Krankenversicherung meist keine Regelleistung; die Kostenfrage sollte vorab geklärt werden.

Verwandte Begriffe im Lexikon

Periimplantäre Mukositis, Zahnimplantat, Parodontitis, Osseointegration, Knochenaufbau, Gesteuerte Knochenregeneration, Interdentalreinigung, Professionelle Zahnreinigung, Taschentiefe

Quellen

  • Herrera D et al.: Prevention and treatment of peri-implant diseases – The EFP S3 level clinical practice guideline. J Clin Periodontol 2023
  • Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) und Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): S3-Leitlinie zur Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten
  • Berglundh T et al.: Peri-implant diseases and conditions – Consensus report of workgroup 4 of the 2017 World Workshop on the Classification of Periodontal and Peri-Implant Diseases and Conditions. J Clin Periodontol 2018
  • Bundeszahnärztekammer (BZÄK): Patienteninformation Implantate

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, zahnärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: November 2026.