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Die Medizin in 5 Jahren: Wie Arztbesuch und Versorgung 2031 aussehen könnten

Grafik: Zeitachse mit hervorgehobenem Jahr 2031 – die Medizin in 5 Jahren

Fünf Jahre sind in der Medizin eine kurze Zeit: Medikamente, die 2031 auf den Markt kommen, sind heute schon in klinischen Studien, und Gesetze, die dann gelten, sind bereits beschlossen. Deshalb lässt sich dieser Zeitraum am besten abschätzen. Im ersten Teil unserer Reihe beschreiben wir, was bis 2031 sehr wahrscheinlich ist – und wo es Überraschungen geben könnte.

Über diese Reihe: „Zukunft der Medizin“ blickt 5, 10, 15, 25, 50 und 100 Jahre voraus. Je weiter der Blick reicht, desto spekulativer werden die Szenarien. Wir kennzeichnen deshalb, wie gut eine Aussage begründet ist, und aktualisieren die Beiträge regelmäßig. Stand dieser Fassung: Oktober 2026.

Der Ausgangspunkt 2026

Deutschland altert schnell. Nach der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts wird um das Jahr 2035 etwa jede vierte Person 67 Jahre oder älter sein. Die Lebenserwartung bei Geburt erreichte 2025 neue Höchstwerte von 83,6 Jahren bei Frauen und 79,1 Jahren bei Männern. Gleichzeitig fehlen in vielen Regionen Hausärztinnen und Hausärzte, Pflegekräfte und Fachärzte. Weltweit rechnet die WHO bis 2030 mit einer Lücke von rund elf Millionen Gesundheitsfachkräften. Die Medizin der nächsten Jahre wird vor allem eine Frage beantworten müssen: Wie lässt sich mit weniger Personal mehr Menschen gut versorgen?

Sehr wahrscheinlich bis 2031

KI wird im Praxis- und Klinikalltag selbstverständlich

Ein großer Teil der Arztbriefe, Befundberichte und Dokumentation wird von KI vorformuliert und von Fachleuten geprüft werden. In der Radiologie, bei der Darmspiegelung und im Mammographie-Screening wird KI-Unterstützung zum Standard, sofern die Vergütung geregelt ist – die großen Studien dafür liegen bereits vor. Ab August 2028 gelten für KI in Medizinprodukten die Hochrisiko-Pflichten der EU-KI-Verordnung. Das dürfte für mehr Transparenz sorgen, aber auch kleinere Anbieter vom Markt drängen.

Die Gesundheitsdaten fließen

Die elektronische Patientenakte wird bis 2031 zum normalen Bestandteil jeder Behandlung, ergänzt um einen digitalen Medikationsplan und Laborwerte. Mit dem Europäischen Gesundheitsdatenraum sollen Patientenkurzakte und E-Rezept auch über Ländergrenzen hinweg nutzbar werden. Für die Forschung werden pseudonymisierte Versorgungsdaten in größerem Umfang zugänglich.

Der erste Kontakt wird digitaler

Ersteinschätzung per App oder Telefon, Videosprechstunden und digitale Nachsorge werden deutlich häufiger. Eine gut organisierte Ersteinschätzung, etwa über die Rufnummer 116 117, soll Notaufnahmen entlasten. Wer Beschwerden hat, wird öfter zuerst mit einem digitalen System oder einer nicht-ärztlichen Fachkraft sprechen und dann in die passende Versorgungsebene geleitet.

Neue Therapien aus heutigen Studien

Medikamente zur Gewichtsreduktion, die auf Darmhormone wie GLP-1 wirken, werden für weitere Erkrankungen geprüft, etwa Herz-, Nieren- und Lebererkrankungen. Gen- und Zelltherapien bleiben teuer, kommen aber für mehr seltene Erkrankungen und einzelne Krebsarten infrage. Mit KI entworfene Wirkstoffe werden in mehreren klinischen Studien geprüft. Eine Zulassung bis 2031 ist möglich, aber nicht sicher.

Wahrscheinlich, aber offen

  • Mehr Prävention durch Daten: Risikomodelle könnten gezieltere Früherkennung ermöglichen, etwa abhängig vom individuellen Brustkrebs- oder Herzrisiko statt nur vom Alter.
  • Wearables in der Versorgung: Messwerte von Uhren, Ringen oder Pflastern könnten öfter in die ärztliche Betreuung einfließen, etwa bei Herzschwäche oder Bluthochdruck. Ob sie die Ergebnisse verbessern, muss sich in Studien zeigen.
  • Bluttests auf viele Krebsarten: Tests, die Spuren von Tumor-Erbgut im Blut suchen, werden weiterentwickelt. Ob sie die Krebssterblichkeit senken, ist bisher nicht belegt.

Was sich kaum ändern wird

Auch 2031 werden die meisten Krankheiten durch dieselben Risikofaktoren verursacht wie heute: Rauchen, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Übergewicht, Alkohol, hoher Blutdruck. Der größte Gesundheitsgewinn wird weiterhin nicht aus neuer Technik kommen, sondern aus Prävention und der guten Behandlung bekannter Erkrankungen. Und das Gespräch zwischen Patientin oder Patient und Ärztin oder Arzt bleibt der Kern der Medizin.

Woran wir merken, ob dieses Szenario eintritt

  • Anteil der Versicherten, die ihre ePA aktiv nutzen (Stand April 2026 laut Umfrage: knapp ein Viertel)
  • Aufnahme KI-gestützter Befundung in das Mammographie-Screening-Programm
  • Zahl der in der EU zugelassenen Medizinprodukte mit KI
  • Erste Zulassung eines Medikaments, dessen Wirkstoff mit KI entworfen wurde
  • Entwicklung der Wartezeiten auf Facharzttermine

Mehr zum aktuellen Stand: KI in der Medizin 2026 – ein Überblick.

Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt mögliche Entwicklungen auf Basis des heutigen Wissensstands. Er ist keine Vorhersage und keine medizinische Beratung.

Aktualisierungen

  • Oktober 2026: Erstfassung

Quellen

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