Eine Lappenplastik ist nur so gut wie ihre Durchblutung. Deshalb werden Lappen nicht nur nach ihrem Gewebe oder ihrer Lage eingeteilt, sondern auch danach, wie Blut in sie hinein- und wieder herausfließt. Dieses Wissen entscheidet darüber, wie groß ein Lappen sein darf und wo er gehoben werden kann.
Das Angiosom-Konzept
Die australischen Anatomen und Chirurgen G. Ian Taylor und J. H. Palmer beschrieben 1987 den Körper als Mosaik aus dreidimensionalen Gewebeblöcken, die jeweils von einer bestimmten Quellarterie versorgt werden – den Angiosomen. Benachbarte Angiosome sind über feine Verbindungsgefäße miteinander verbunden. Ein Lappen kann daher sicher das eigene und meist auch das angrenzende Angiosom umfassen; je weiter er darüber hinausreicht, desto größer wird das Risiko einer Minderdurchblutung an der Spitze.
Zufällig versorgte Lappen (Random-Pattern)
Diese Lappen besitzen keine definierte Hauptarterie. Sie werden über das feine Gefäßnetz der Haut versorgt, das über die Lappenbasis einströmt. Deshalb ist das Verhältnis von Länge zu Breite begrenzt – am Körper gilt etwa 2:1 bis 3:1 als Faustregel, im gut durchbluteten Gesicht sind auch längere Lappen möglich. Viele lokale Lappen, etwa Verschiebe- oder Rotationslappen, gehören zu dieser Gruppe.
Axiale Lappen
Axiale Lappen enthalten eine benannte Arterie mit Begleitvene, die in Längsrichtung durch den Lappen verläuft. Dadurch können sie deutlich länger sein als zufällig versorgte Lappen. Ein klassisches Beispiel ist der Leistenlappen, der über die Arteria circumflexa ilium superficialis versorgt wird.
Eine Sonderform sind retrograd (umgekehrt) durchblutete Lappen, bei denen der Gefäßstiel am körperfernen Ende liegt und das Blut entgegen der normalen Flussrichtung einströmt – etwa beim Radialis-Umkehrlappen am Unterarm.
Fasziokutane Lappen
Hier wird die Faszie, also die bindegewebige Hülle der Muskulatur, mitgehoben. Auf ihr liegt ein feines Gefäßgeflecht, das die darüberliegende Haut zuverlässig versorgt. Gängige Einteilungen stammen von Cormack und Lamberty (1984) sowie von Mathes und Nahai; sie unterscheiden, ob die Versorgung über viele kleine Gefäße, einen einzelnen Hauptast oder mehrere segmentale Äste erfolgt.
Muskellappen
Muskeln haben ein eigenes, gut definiertes Gefäßsystem. Die Klassifikation nach Mathes und Nahai (1981) teilt sie in fünf Typen ein – je nachdem, ob ein Muskel über einen einzigen dominanten Gefäßstiel oder über mehrere kleinere versorgt wird. Muskellappen sind besonders wertvoll, um tiefe Höhlen zu füllen oder schlecht durchblutete, infizierte Areale zu sanieren.
Perforatorlappen
Die modernste Entwicklung sind Perforatorlappen. Dabei werden Haut und Fett ausschließlich über ein kleines Gefäß versorgt, das durch den Muskel oder zwischen Muskeln hindurch zur Haut zieht (Perforator). Der Muskel selbst bleibt unangetastet. Bekannte Beispiele sind der DIEP-Lappen vom Unterbauch für die Brustrekonstruktion und der ALT-Lappen vom Oberschenkel. Vorteil: weniger Funktionsverlust an der Entnahmestelle, Nachteil: anspruchsvolle mikrochirurgische Präparation.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen und weiterführende Informationen
- Taylor GI, Palmer JH: The vascular territories (angiosomes) of the body: experimental study and clinical applications. Br J Plast Surg 1987; 40(2): 113–141.
- Cormack GC, Lamberty BG: A classification of fascio-cutaneous flaps according to their patterns of vascularisation. Br J Plast Surg 1984; 37(1): 80–87.
- Mathes SJ, Nahai F: Classification of the vascular anatomy of muscles: experimental and clinical correlation. Plast Reconstr Surg 1981; 67(2): 177–187.
- Considerations in Flap Selection for Soft Tissue Coverage of the Hand and Digits (PMC)



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