Parodontitis: Ursachen, Anzeichen und Behandlung

Medizin-Lexikon › Parodontitis (Kurzdefinition)

Kurz erklärt: Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats, ausgelöst durch bakterielle Beläge (Biofilm). Unbehandelt führt sie zum Abbau von Knochen und Bindegewebe und kann Zähne lockern bis zum Zahnverlust. Sie ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen bei Erwachsenen.

Wie entsteht sie?

Am Anfang steht meist eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) durch Beläge am Zahnfleischrand, die sich durch gute Mundhygiene noch vollständig zurückbilden kann. Bleibt sie bestehen, kann die Entzündung in die Tiefe fortschreiten: Es bilden sich Zahnfleischtaschen, in denen sich Bakterien weiter vermehren, und die körpereigene Entzündungsreaktion baut Knochen ab. Rauchen, Diabetes, Stress und genetische Faktoren erhöhen das Risiko deutlich.

Anzeichen

  • Zahnfleischbluten beim Putzen
  • gerötetes, geschwollenes oder zurückgehendes Zahnfleisch
  • anhaltender Mundgeruch
  • empfindliche Zahnhälse, gelockerte oder wandernde Zähne

Schmerzen fehlen oft lange, deshalb wird Parodontitis häufig spät bemerkt. Bei Erwachsenen gehört eine Früherkennungsuntersuchung (Parodontaler Screening-Index) zur zahnärztlichen Kontrolle.

Stadien und Grade

Nach der internationalen Klassifikation von 2018 wird Parodontitis in Stadien I bis IV eingeteilt, die Schweregrad und Behandlungsaufwand beschreiben, und in Grade A bis C, die das Fortschreitungsrisiko angeben. Grundlage sind Knochenabbau, Taschentiefen, Zahnverlust und Risikofaktoren wie Rauchen und Diabetes.

Behandlung

Grundlage ist eine gründliche Mundhygiene mit Anleitung und die Entfernung der Beläge über und unter dem Zahnfleisch. In der Hauptphase werden die Wurzeloberflächen in den Taschen gereinigt (subgingivale Instrumentierung). Nach einigen Monaten wird der Erfolg kontrolliert; tiefe Resttaschen können weitere oder chirurgische Maßnahmen erfordern. Antibiotika werden nur in bestimmten Situationen ergänzend eingesetzt. Entscheidend ist die lebenslange unterstützende Nachsorge in festen Abständen. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist die systematische Parodontitistherapie einschließlich einer zweijährigen Nachsorgephase eine Kassenleistung.

Parodontitis und Allgemeingesundheit

Parodontitis und Diabetes beeinflussen sich gegenseitig: Ein schlecht eingestellter Blutzucker verschlechtert die Parodontitis, und eine behandelte Parodontitis kann die Blutzuckerwerte etwas verbessern. Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schwangerschaftskomplikationen werden beobachtet; ob die Parodontitis hier ursächlich beteiligt ist, ist noch nicht abschließend geklärt.

Verwandte Begriffe im Lexikon

Parodontitis, Gingivitis, Zahnfleischrückgang, Mundgeruch, Zahnstein, Periimplantitis, Professionelle Zahnreinigung, Interdentalreinigung

Quellen

  • S3-Leitlinie „Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III“ (Deutsche Gesellschaft für Parodontologie, DGZMK; Adaptation der Leitlinie der European Federation of Periodontology)
  • Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Richtlinie zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderer Parodontalerkrankungen (PAR-Richtlinie)
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): gesundheitsinformation.de – Parodontitis
  • Papapanou PN et al.: Periodontitis – Consensus report of the 2017 World Workshop on the Classification of Periodontal and Peri-Implant Diseases and Conditions. J Periodontol 2018

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, zahnärztliche oder apothekerliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Stand: Oktober 2026.