Nach Unfällen, Tumoroperationen oder bei chronischen Wunden entstehen manchmal Gewebedefekte, die sich weder durch eine direkte Naht noch durch eine Hauttransplantation zuverlässig verschließen lassen. Dann kommt eine Lappenplastik zum Einsatz: Gewebe, das über eigene Blutgefäße versorgt wird und deshalb auch freiliegende Knochen, Sehnen oder Implantate dauerhaft bedecken kann.
Was unterscheidet einen Lappen von einem Transplantat?
Ein Hauttransplantat wird vollständig abgelöst und muss am neuen Ort erst wieder Anschluss an die Durchblutung finden. Es braucht daher einen gut durchbluteten Wundgrund. Ein Lappen dagegen bleibt über einen Gefäßstiel mit dem Körper verbunden oder wird mikrochirurgisch an neue Gefäße angeschlossen. Er bringt seine Durchblutung also mit – ein entscheidender Vorteil bei schwierigen Wunden.
Einteilung nach der Gewebezusammensetzung
- Kutaner Lappen: Haut und Unterhautfettgewebe.
- Fasziokutaner Lappen: zusätzlich mit der darunterliegenden Muskelhaut (Faszie), was die Durchblutung verbessert.
- Muskel- bzw. myokutaner Lappen: mit Muskelanteil, wahlweise mit Hautinsel – geeignet, um Hohlräume zu füllen und infizierte Bereiche gut zu durchbluten.
- Osteokutaner oder osteomyokutaner Lappen: zusätzlich mit Knochen, etwa für die Rekonstruktion des Unterkiefers.
Einteilung nach der Entfernung zum Defekt
- Lokaler Lappen: unmittelbar angrenzendes Gewebe.
- Regionaler Lappen: aus der Nachbarregion, mit erhaltenem Gefäßstiel.
- Fernlappen: aus einer entfernten Körperregion, früher oft in mehreren Sitzungen übertragen.
- Freier Lappen: vollständig abgelöst und mikrochirurgisch an Gefäße im Defektbereich angeschlossen – heute Standard für große und komplexe Rekonstruktionen.
Typische lokale Lappenformen
- Verschiebelappen (Advancement): Haut wird in gerader Richtung in den Defekt vorgeschoben, zum Beispiel als V-Y-Plastik an Fingerkuppen oder im Gesicht.
- Rotationslappen: ein halbkreisförmiger Lappen wird um einen Drehpunkt in den Defekt geschwenkt.
- Transpositionslappen: ein Lappen wird über benachbarte Haut hinweg in den Defekt eingeschwenkt; die Hebestelle wird direkt verschlossen.
- Zweizipfliger Lappen (bilobed flap): eine doppelte Transposition, besonders bewährt bei Defekten an der Nase, wo die Haut wenig dehnbar ist.
- Z-Plastik: zwei dreieckige Lappen werden gegeneinander vertauscht, um Narben zu verlängern oder ihre Richtung zu ändern.
Das Prinzip der „rekonstruktiven Leiter“
Bei der Wahl des Verfahrens folgen Plastische Chirurgen dem Grundsatz, die einfachste ausreichende Methode zu wählen: von der direkten Naht über Hauttransplantate und lokale Lappen bis hin zum freien mikrochirurgischen Lappen. Heute wird dieses Prinzip flexibler angewendet – manchmal ist von Beginn an das aufwendigere Verfahren das funktionell und ästhetisch beste.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.



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