Eine der großen Sorgen alternder Gesellschaften lautet: Wir leben zwar länger, verbringen die zusätzlichen Jahre aber krank und pflegebedürftig. Eine neue Analyse von Ökonominnen und Ökonomen um Amy Finkelstein vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) zeichnet ein deutlich optimistischeres Bild.
Die Untersuchung
Die Forschenden werteten Daten des Medicare Current Beneficiary Survey aus, einer großen Befragung älterer Menschen in den USA. Sie verfolgten, wie sich Gesundheit und Selbstständigkeit der Befragten von Jahr zu Jahr entwickelten – über einen Zeitraum von etwa 1993 bis 2017. Die Arbeit erschien im Juni 2026 als Arbeitspapier des National Bureau of Economic Research (NBER).
Die wichtigsten Ergebnisse
- Die Lebenserwartung im Alter von 66 Jahren stieg im Untersuchungszeitraum um 2,4 Jahre.
- Diese zusätzlichen Jahre waren nach Angaben der Autorinnen und Autoren „vollständig“ gesunde Lebensjahre – ohne schwere körperliche oder geistige Einschränkungen.
- Die Zeit, die Menschen mit schweren Einschränkungen verbringen, ging um rund 30 % zurück.
- Entsprechend sank der erwartete Bedarf an Pflegeheim- und häuslicher Pflege.
- Frauen verbrachten weniger Zeit im schwersten Krankheitsstadium als früher.
Was bedeutet das für Gesundheitssysteme?
Die Analyse rechnet auch die Folgen für die Sozialsysteme durch: Die erwarteten Ausgaben der US-Rentenversicherung stiegen durch die längere Lebenszeit um 14 %. Die Ausgaben der Krankenversicherung Medicare stiegen dagegen nur um 6 % – weniger als befürchtet, vor allem weil Menschen am Lebensende weniger intensive Behandlungen benötigen.
Warum werden wir gesünder alt?
Die Studie selbst erklärt nicht, warum sich die Gesundheit im Alter verbessert hat. Eine andere Untersuchung, auf die im Zusammenhang verwiesen wird, nennt bessere Medikamente sowie Erfolge der öffentlichen Gesundheitsvorsorge, etwa Kampagnen gegen das Rauchen, als mögliche Gründe.
Wichtige Einschränkungen
Es handelt sich um ein Arbeitspapier, das noch nicht in einer begutachteten Fachzeitschrift erschienen ist. Die Daten reichen bis 2017 und stammen aus den USA – Entwicklungen wie die COVID-19-Pandemie oder die Zunahme von Übergewicht in jüngeren Jahrgängen sind darin nicht abgebildet. Ob sich die Ergebnisse auf Deutschland oder Europa übertragen lassen, ist offen.
Fazit
Die Analyse widerspricht der verbreiteten Annahme, dass ein längeres Leben zwangsläufig mehr Krankheit bedeutet. Sie zeigt: Fortschritte in Prävention und Medizin können nicht nur Jahre zum Leben hinzufügen, sondern auch Leben zu den Jahren.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information.
Quellen
- TIME: People Are Living Better at the End of Their Lives (23.06.2026) – Originalarbeit: NBER Working Paper w35346



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