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Eine kurze Geschichte der Brustchirurgie: von Halsted bis zum DIEP-Lappen

Chirurgen im Operationssaal, Schwarz-Weiß-Aufnahme

Kaum ein Bereich der Chirurgie hat sich in den vergangenen 130 Jahren so stark verändert wie die Brustchirurgie. Aus einer verstümmelnden Krebsoperation wurde eine Disziplin, in der Tumorentfernung und Wiederherstellung der Brustform Hand in Hand gehen. Ein Überblick über die wichtigsten Meilensteine.

Die Ära der radikalen Mastektomie

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte der US-Chirurg William S. Halsted die radikale Mastektomie: die Entfernung der Brust samt Brustmuskeln und Achsellymphknoten. Möglich wurde dieser große Eingriff erst durch die Einführung der Narkose (1846) und der Antisepsis. Die Operation senkte die Rate örtlicher Rückfälle, war aber sehr belastend und hinterließ deutliche Funktionseinschränkungen. Fast ein Jahrhundert lang galt sie als Standard.

Der Wandel zur brusterhaltenden Therapie

Ab den 1970er-Jahren zeigten große Studien – etwa von Bernard Fisher (NSABP B-06) in den USA und Umberto Veronesi in Mailand –, dass die brusterhaltende Operation in Kombination mit Bestrahlung bei vielen Frauen ebenso sicher ist wie die Entfernung der ganzen Brust. Die Langzeitergebnisse beider Studien wurden 2002 im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Heute ist die brusterhaltende Therapie bei den meisten Frauen mit früh erkanntem Brustkrebs Standard; ergänzt durch die Wächterlymphknoten-Biopsie (Sentinel), die eine vollständige Ausräumung der Achsel häufig überflüssig macht.

Frühe Rekonstruktionen mit Eigengewebe

  • 1895 verpflanzte der Heidelberger Chirurg Vincenz Czerny ein Lipom (gutartige Fettgeschwulst) in die Brust einer Patientin – eine der ersten dokumentierten Brustrekonstruktionen.
  • 1906 beschrieb der Italiener Iginio Tansini den Latissimus-dorsi-Lappen aus dem Rücken zur Deckung des Defekts nach Mastektomie. Die Technik geriet in Vergessenheit und wurde in den 1970er-Jahren wiederentdeckt.
  • 1982 stellte Carl Hartrampf den TRAM-Lappen vor: Haut und Fett vom Unterbauch, versorgt über den geraden Bauchmuskel.

Das Silikonimplantat

1962 setzten die texanischen Chirurgen Thomas Cronin und Frank Gerow erstmals ein silikongelgefülltes Brustimplantat ein. Es folgten Kochsalzimplantate, Implantate mit texturierter Oberfläche und formstabile („kohäsive“) Gele. Die Geschichte der Implantate ist auch eine Geschichte der Sicherheitsdebatten: In den 1990er-Jahren schränkte die US-Behörde FDA Silikonimplantate zeitweise ein, 2010 sorgte der Skandal um minderwertige PIP-Implantate für Aufsehen, und seit 2016 wird das seltene, mit texturierten Implantaten assoziierte Lymphom BIA-ALCL intensiv untersucht. Heute gibt es in Deutschland ein verpflichtendes Implantateregister.

Mikrochirurgie und Perforatorlappen

Mit dem Operationsmikroskop wurde es möglich, Gewebe vollständig abzulösen und an Gefäße im Brustbereich anzuschließen. Ein Meilenstein war der DIEP-Lappen, den Robert Allen und Pierre Treece 1994 für die Brustrekonstruktion beschrieben: Haut und Fett vom Unterbauch werden über ein kleines Gefäß verpflanzt, ohne den Bauchmuskel zu opfern. Er gilt heute vielerorts als Goldstandard der Eigengewebsrekonstruktion.

Eigenfett und moderne Konzepte

Schon 1893 berichtete Gustav Neuber über die Verpflanzung von Fettgewebe. Breite Anwendung fand das Verfahren aber erst, nachdem Sydney Coleman in den 1990er-Jahren eine standardisierte Technik entwickelt hatte. Heute wird Eigenfett eingesetzt, um Konturen zu glätten, Implantate zu kaschieren oder kleinere Brüste vollständig mit Eigengewebe aufzubauen. Onkoplastische Verfahren verbinden Tumorentfernung und Formkorrektur bereits in einer Operation.

Fazit

Die Brustchirurgie hat sich von der „so radikal wie möglich“-Strategie zu einem individuellen, interdisziplinären Konzept entwickelt. Für Patientinnen bedeutet das: mehr Sicherheit, mehr Wahlmöglichkeiten – und eine Rekonstruktion, die heute in vielen Fällen bereits bei der Krebsoperation geplant werden kann.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Fisher B. et al.: Twenty-year follow-up of a randomized trial comparing total mastectomy, lumpectomy, and lumpectomy plus irradiation for the treatment of invasive breast cancer. N Engl J Med 2002; 347: 1233–1241.
  • Veronesi U. et al.: Twenty-year follow-up of a randomized study comparing breast-conserving surgery with radical mastectomy for early breast cancer. N Engl J Med 2002; 347: 1227–1232.
  • Allen RJ, Treece P: Deep inferior epigastric perforator flap for breast reconstruction. Ann Plast Surg 1994; 32(1): 32–38.
  • S3-Leitlinie Mammakarzinom (Leitlinienprogramm Onkologie, AWMF 032-045OL, 2026)
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