Ein Leben ohne Brille oder Kontaktlinsen: Das ist der Wunsch vieler Menschen, die sich für das Augenlasern interessieren. Moderne Verfahren wie LASIK, Femto-LASIK, SMILE und PRK formen die Hornhaut so um, dass das Auge wieder scharf sieht. Sie eignen sich aber nicht für jedes Auge, und auch hier gibt es Risiken, die man vorher kennen sollte.
Wie funktioniert die Laserkorrektur?
Damit wir scharf sehen, muss das Licht genau auf der Netzhaut gebündelt werden. Den größten Teil dieser Brechkraft liefert die Hornhaut, die klare Vorderfläche des Auges. Bei Kurzsichtigkeit ist das Auge im Verhältnis zur Brechkraft zu lang, bei Weitsichtigkeit zu kurz, bei einer Hornhautverkrümmung ist die Hornhaut ungleichmäßig gewölbt. Der Laser trägt mikrometergenau Hornhautgewebe ab und verändert so ihre Form: Bei Kurzsichtigkeit wird die Mitte abgeflacht, bei Weitsichtigkeit der Rand stärker abgetragen. Dafür werden zwei Lasertypen genutzt. Der Excimerlaser arbeitet mit ultraviolettem Licht von 193 nm und verdampft Gewebe schichtweise. Der Femtosekundenlaser arbeitet mit Infrarotlicht und extrem kurzen Pulsen; er schneidet im Inneren der Hornhaut, ohne die Oberfläche zu verletzen.
Die Verfahren im Überblick
- LASIK: Mit einem feinen Messer (Mikrokeratom) wird ein dünner Hornhautdeckel (Flap) geschnitten und zur Seite geklappt. Der Excimerlaser formt das darunterliegende Gewebe, anschließend wird der Deckel zurückgelegt. Das Sehen erholt sich meist innerhalb weniger Tage.
- Femto-LASIK: Wie LASIK, der Deckel wird jedoch mit dem Femtosekundenlaser statt mit dem Messer geschnitten.
- SMILE (Lentikelextraktion): Der Femtosekundenlaser schneidet im Inneren der Hornhaut ein linsenförmiges Gewebescheibchen, das durch einen kleinen Schnitt von wenigen Millimetern entfernt wird. Ein großer Deckel entfällt.
- PRK, LASEK und Trans-PRK: Oberflächenverfahren. Die dünne oberste Hornhautschicht (Epithel) wird entfernt, danach formt der Excimerlaser die Oberfläche. Das Epithel wächst innerhalb einiger Tage nach. Die ersten Tage sind oft schmerzhafter, und die volle Sehschärfe stellt sich langsamer ein; dafür gibt es keinen Deckel, der verrutschen kann.
Für wen geeignet, für wen nicht?
Die Kommission Refraktive Chirurgie (KRC) der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und des Berufsverbands der Augenärzte bewertet regelmäßig, für welche Werte ein Verfahren als bewährt gilt. Nach ihren Empfehlungen von 2024 gelten zum Beispiel diese Anwendungsbereiche (dpt = Dioptrien):
| Verfahren | Kurzsichtigkeit | Weitsichtigkeit | Hornhautverkrümmung |
|---|---|---|---|
| LASIK / Femto-LASIK | bis −8 dpt (Grenzbereich bis −10) | bis +3 dpt (Grenzbereich bis +4) | bis 5 dpt (Grenzbereich bis 6) |
| SMILE | −1 bis −8 dpt (Grenzbereich bis −10) | nicht bewertet | bis 5 dpt |
| PRK / LASEK / Trans-PRK | bis −6 dpt (Grenzbereich bis −8) | Grenzbereich bis +3 dpt | bis 5 dpt (Grenzbereich bis 6) |
Im Grenzbereich sind Genauigkeit und Sicherheit geringer, und eine besonders sorgfältige Aufklärung ist nötig. Außerdem muss die Hornhaut dick genug sein, denn nach dem Eingriff soll ein ausreichend starkes Restgewebe stehen bleiben. Die Brillenwerte sollten stabil sein. Als Gegenanzeigen nennt die KRC unter anderem ein Alter unter 18 Jahren, fortschreitende Hornhauterkrankungen wie einen beginnenden Keratokonus, einen Grauen Star mit Beschwerden, ein Glaukom mit deutlichen Gesichtsfeldschäden und die feuchte altersbedingte Makuladegeneration. Vor jeder Entscheidung steht daher eine gründliche augenärztliche Untersuchung, unter anderem mit Vermessung der Hornhautform und -dicke. Wichtig zu wissen: Die Alterssichtigkeit ab etwa Mitte 40 lässt sich mit diesen Verfahren nicht beseitigen. Eine Lesebrille wird später meist trotzdem nötig.
Risiken und Nebenwirkungen
- Trockene Augen: Nach Angaben des Berufsverbands der Augenärzte bei etwa 15 bis 20 Prozent in den ersten Wochen oder Monaten nach LASIK; meist bessert sich das, Tränenersatzmittel helfen.
- Blendung, Lichthöfe (Halos) und schlechteres Dämmerungssehen: meist vorübergehend, bei einem kleinen Teil länger anhaltend.
- Unter- oder Überkorrektur: Es kann eine Restfehlsichtigkeit bleiben, die eine Nachbehandlung oder doch eine Brille erfordert.
- Probleme mit dem Hornhautdeckel bei LASIK, zum Beispiel Falten, Verrutschen oder eingewachsene Zellen.
- Ektasie: eine fortschreitende Vorwölbung der geschwächten Hornhaut. Sie ist sehr selten, der Berufsverband nennt etwa 0,05 Prozent bei LASIK, kann aber in schweren Fällen eine Hornhauttransplantation nötig machen.
- Entzündungen und Infektionen sind selten.
Alternativen und Kosten
Brille und Kontaktlinsen bleiben die einfachsten und risikoärmsten Möglichkeiten. Bei hoher Fehlsichtigkeit oder zu dünner Hornhaut kommen Linsenimplantate infrage: Bei jüngeren Menschen wird eine Kunstlinse zusätzlich zur eigenen Linse eingesetzt, bei älteren wird die eigene Linse ersetzt, ähnlich wie bei einer Operation des Grauen Stars. Diese Eingriffe haben eigene Risiken. Die Kosten für das Augenlasern werden nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen von der gesetzlichen Krankenversicherung in der Regel nicht übernommen, weil der Eingriff nicht als medizinisch notwendig gilt; das betrifft auch Voruntersuchungen und Nachkontrollen. Private Versicherungen regeln das unterschiedlich, eine schriftliche Anfrage vorab ist sinnvoll.
Häufige Fragen
Was ist besser: LASIK, Femto-LASIK oder SMILE?
Es gibt kein Verfahren, das für alle am besten ist. Welche Methode passt, hängt von Fehlsichtigkeit, Hornhautdicke und -form, Beruf, Sport und Erwartungen ab und sollte individuell augenärztlich besprochen werden.
Tut Augenlasern weh?
Der Eingriff selbst erfolgt mit betäubenden Augentropfen und ist meist schmerzarm. Bei PRK und LASEK sind die ersten Tage danach häufig unangenehmer als bei LASIK oder SMILE.
Ab welchem Alter kann man die Augen lasern lassen?
Die Kommission Refraktive Chirurgie nennt als Mindestalter 18 Jahre. Zudem sollten die Brillenwerte stabil sein.
Hält das Ergebnis ein Leben lang?
Die abgetragene Hornhaut wächst nicht nach. Das Auge selbst kann sich aber weiter verändern, und die Alterssichtigkeit tritt trotzdem ein.
Zahlt die Krankenkasse das Augenlasern?
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten in der Regel nicht. Die Behandlung von Komplikationen wird dagegen übernommen.
Weiterlesen: Übersicht Laser-Medizin · Wie funktioniert ein Laser in der Medizin? · Laser-Sicherheit und Augenschutz
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Er ist keine Werbung für bestimmte Behandlungen oder Anbieter.
Quellen
- Kommission Refraktive Chirurgie (DOG und BVA): Bewertung und Qualitätssicherung refraktiv-chirurgischer Eingriffe, Stand 28.05.2024
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Operationen bei Kurzsichtigkeit
- Berufsverband der Augenärztinnen und Augenärzte Deutschlands: LASIK
- NHS: Laser eye surgery and lens surgery