Laser bei Krampfadern: endovenöse Lasertherapie (EVLT/ELT)

Krampfadern an den Stammvenen des Beins müssen heute meist nicht mehr herausgezogen werden: Bei der endovenösen Lasertherapie wird die erkrankte Vene von innen mit Wärme verschlossen, in örtlicher Betäubung und über einen einzigen Nadelstich. Wie das Verfahren funktioniert, für wen es geeignet ist und wie es im Vergleich zu Radiofrequenz, Operation, Schaum und Klebstoff abschneidet, lesen Sie hier.

Warum Krampfadern entstehen und wann behandelt wird

In den Beinvenen sorgen Venenklappen dafür, dass das Blut nur in Richtung Herz fließt. Schließen sie nicht mehr richtig, sackt Blut zurück, die Venen weiten sich und schlängeln sich an der Oberfläche: Es entstehen Krampfadern (Varizen). Häufig betroffen sind die große Rosenvene an der Innenseite des Beins und die kleine Rosenvene an der Wade. Typische Beschwerden sind Schweregefühl, Spannen, abendlich geschwollene Knöchel und nächtliche Wadenkrämpfe. Im Verlauf können Hautveränderungen, Venenentzündungen und schließlich ein offenes Bein entstehen.

Ob eine Behandlung sinnvoll ist, entscheidet sich nach Beschwerden, Befund und einer Ultraschalluntersuchung (Duplexsonografie). Diese zeigt, welche Vene undicht ist, wie weit der Rückfluss reicht und ob die tiefen Venen intakt sind. Ziel ist es, den krankhaften Rückfluss auszuschalten. Feine Besenreiser sind ein anderes Thema und werden meist durch Verödung oder oberflächliche Laser behandelt.

So funktioniert die endovenöse Lasertherapie

Unter Ultraschallsicht wird die erkrankte Stammvene meist am Unterschenkel oder Knie punktiert. Über eine Schleuse wird eine dünne Laserfaser bis kurz vor die Einmündung in die tiefe Vene vorgeschoben. Anschließend wird rund um die Vene eine größere Menge verdünnter Betäubungslösung eingespritzt, die sogenannte Tumeszenzanästhesie. Sie betäubt, drückt die Vene an die Faser und schützt das umliegende Gewebe vor Hitze. Beim langsamen Zurückziehen gibt die Faser Laserenergie ab; die Venenwand wird erhitzt, schrumpft und verschließt sich. Der Körper baut die verschlossene Vene in den folgenden Monaten zu einem Bindegewebsstrang um.

Moderne Systeme nutzen Wellenlängen, die vor allem von Wasser in der Venenwand aufgenommen werden, oft mit Fasern, die das Licht ringförmig abstrahlen. Im Vergleich zu älteren Geräten verursachen sie weniger Schmerzen und Blutergüsse. Seitenäste, also oberflächliche Krampfadern, die von der Stammvene abzweigen, werden je nach Befund in derselben Sitzung über winzige Schnitte entfernt (Miniphlebektomie) oder später verödet. Der Eingriff dauert meist unter einer Stunde, man geht danach selbst nach Hause.

Laser im Vergleich: Radiofrequenz, Stripping, Schaum und Klebstoff

Für die Behandlung undichter Stammvenen gibt es mehrere gut untersuchte Wege. Eine Cochrane-Übersicht kommt zu dem Schluss, dass Laser, Radiofrequenz und Schaumverödung mindestens so wirksam sind wie die Operation; die deutsche Leitlinie führt die endovenösen Wärmeverfahren als etablierte Option neben der Operation.

VerfahrenPrinzipBetäubungBesonderheiten
Endovenöser LaserVerschluss durch Wärmeörtlich (Tumeszenz)ambulant, rasch wieder mobil
RadiofrequenzVerschluss durch Wärme über Katheterörtlich (Tumeszenz)Ergebnisse vergleichbar mit Laser
Crossektomie und StrippingUnterbinden und Herausziehen der Venemeist Voll- oder Teilnarkosebewährt, längere Erholung
SchaumverödungVerschluss durch Verödungsmittelkeineeinfach wiederholbar, häufiger erneute Behandlung
VenenkleberVerkleben mit Cyanoacrylatmeist nur Einstichkeine Tumeszenz, Langzeitdaten noch begrenzt

Welche Methode passt, hängt vom Durchmesser und Verlauf der Vene, von Voroperationen, Begleiterkrankungen und den persönlichen Wünschen ab. Sehr stark geschlängelte Venen lassen sich mit einer Faser nicht immer durchgängig erreichen. Ob die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für ein bestimmtes Verfahren übernimmt, ist nicht einheitlich geregelt und sollte vorher mit der Praxis und der Krankenkasse geklärt werden.

Wer geeignet ist und wer nicht

Gut geeignet sind Menschen mit nachgewiesenem Rückfluss in der großen oder kleinen Rosenvene oder in einer großen Seitenvene, deren Verlauf sich für eine Faser eignet. Nicht oder nur nach sorgfältiger Abwägung behandelt wird bei frischer tiefer Beinvenenthrombose, in der Schwangerschaft, bei deutlicher Durchblutungsstörung der Beinarterien, bei schwerer Allgemeinerkrankung oder wenn man nach dem Eingriff nicht gehen kann. Auch eine bekannte Neigung zu Thrombosen muss vorher besprochen werden, gegebenenfalls mit einer vorbeugenden Spritze.

Nebenwirkungen, Nachsorge und Rückfälle

Nach dem Eingriff soll man sofort gehen. Meist wird für einige Tage bis Wochen ein Kompressionsstrumpf empfohlen; Art und Dauer legt die Ärztin oder der Arzt individuell fest. Häufig sind Blutergüsse, ein Spannungs- oder Ziehgefühl entlang der behandelten Vene etwa in der ersten bis zweiten Woche und tastbare, leicht druckempfindliche Stränge. Vorübergehende Gefühlsstörungen der Haut entstehen, wenn ein benachbarter Hautnerv durch die Wärme gereizt wird, etwa am Unterschenkel oder an der Wade. Selten sind Venenentzündungen, Hautverfärbungen und Verbrennungen der Haut. Sehr selten wächst ein Gerinnsel aus der behandelten Vene in die tiefe Vene vor oder es entsteht eine tiefe Beinvenenthrombose; deshalb gehört eine Ultraschallkontrolle nach einigen Tagen zum Standard.

Die Venenschwäche selbst lässt sich nicht beseitigen. Neue Krampfadern können sich aus anderen Venen bilden oder aus kleinen neuen Gefäßen an der Behandlungsstelle. Nach der deutschen Leitlinie treten klinische Rückfälle innerhalb von fünf Jahren bei einem relevanten Teil der Behandelten auf, unabhängig von der Methode; welches Verfahren langfristig am wenigsten Rückfälle hat, ist nicht sicher geklärt. Bewegung, ein normales Körpergewicht und regelmäßige Kontrollen helfen, Rückfälle früh zu erkennen.

Häufige Fragen

Ist die Laserbehandlung von Krampfadern schmerzhaft?

Spürbar sind vor allem die Einstiche für die Betäubung. Danach berichten viele über ein Ziehen oder Spannen für einige Tage, das sich meist mit einfachen Schmerzmitteln und Bewegung gut beherrschen lässt.

Laser oder Radiofrequenz – was ist besser?

Beide Wärmeverfahren erzielen in Studien vergleichbare Verschlussraten. Die Wahl hängt eher von der Venenanatomie und der Erfahrung der behandelnden Praxis ab als vom Gerät.

Wie lange muss man nach der Venen-Laserbehandlung Kompressionsstrümpfe tragen?

Das wird individuell festgelegt, meist für einige Tage bis wenige Wochen. Die Leitlinie empfiehlt eine anfängliche Kompression, ohne eine feste Dauer vorzugeben.

Wann kann ich nach dem Eingriff wieder arbeiten?

Viele sind nach wenigen Tagen wieder arbeitsfähig, bei Bürotätigkeit oft schneller. Schweres Heben und intensiver Sport sollten nach ärztlicher Rücksprache für kurze Zeit pausieren.

Können Krampfadern nach dem Lasern wiederkommen?

Ja. Die behandelte Vene bleibt meist verschlossen, doch die Neigung zu Krampfadern bleibt bestehen. Rückfälle sind nach allen Verfahren möglich.

Weiterlesen: Übersicht Laser-Medizin · Krampfadern (Varizen): Ursachen, Risiken, Behandlung · Besenreiser: Verödung, Laser und Risiken

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Er ist keine Werbung für bestimmte Behandlungen oder Anbieter.

Quellen