Laser in der Urologie: Prostatavergrößerung und Nierensteine

Laser haben die Urologie in den letzten zwei Jahrzehnten stark verändert: Eine vergrößerte Prostata lässt sich heute oft ohne Schnitt von innen ausschälen oder verdampfen, und Harnsteine werden über ein dünnes Endoskop direkt am Stein zerkleinert. Was die einzelnen Verfahren leisten, für wen sie infrage kommen und welche Folgen man kennen sollte, erklärt dieser Überblick.

Gutartige Prostatavergrößerung: wann eine Operation sinnvoll ist

Mit zunehmendem Alter wächst bei vielen Männern die Prostata. Fachleute sprechen vom benignen Prostatasyndrom (BPS). Weil die Drüse die Harnröhre umschließt, kann sie den Urinfluss behindern: Der Strahl wird schwächer, man muss nachts häufiger aufstehen, die Blase fühlt sich nicht leer an. Zunächst stehen Abwarten mit Kontrollen, Verhaltensänderungen und Medikamente im Vordergrund. Eine Operation wird empfohlen, wenn Medikamente nicht ausreichend helfen oder Komplikationen auftreten: wiederholter Harnverhalt, wiederkehrende Harnwegsinfekte, Blasensteine, wiederholte Blutungen aus der Prostata oder ein Rückstau, der die Nieren gefährdet. Vor jedem Eingriff klärt die Urologin oder der Urologe ab, ob wirklich die Prostata die Ursache ist und ob ein Prostatakrebs ausgeschlossen werden sollte, etwa mit Tastuntersuchung, Ultraschall und gegebenenfalls dem PSA-Wert.

Die Laserverfahren an der Prostata

Allen Verfahren ist gemeinsam, dass sie über die Harnröhre mit einem Endoskop durchgeführt werden – ohne Hautschnitt, meist in Vollnarkose oder Rückenmarksnarkose. Sie unterscheiden sich darin, ob das störende Gewebe herausgeschält, abgetragen oder verdampft wird.

Holmium-Laserenukleation (HoLEP): Der Holmium-Laser arbeitet mit Licht im Infrarotbereich, das sehr stark von Wasser aufgenommen wird und deshalb nur wenige Zehntelmillimeter tief wirkt. Der Operateur löst damit das vergrößerte innere Prostatagewebe entlang seiner natürlichen Grenze zur Kapsel ab, ähnlich wie man eine Orange aus der Schale löst. Die abgelösten Gewebelappen werden in die Blase geschoben, dort mit einem Morcellator zerkleinert und abgesaugt. Weil das gesamte Gewebe zur feingeweblichen Untersuchung gelangt, kann ein zufällig vorhandener Krebs erkannt werden. Die HoLEP eignet sich unabhängig von der Prostatagröße und kann auch sehr große Drüsen behandeln, für die früher eine offene Operation nötig war. Sie erfordert allerdings viel Erfahrung des Operateurs.

Thulium-Laser: Thulium-Laser haben eine ähnliche Wellenlänge und können ebenfalls zur Enukleation, zur Vaporesektion (schichtweises Abtragen) oder zur Vaporisation genutzt werden. Die Ergebnisse der Enukleation mit Thulium- und Holmium-Laser gelten als vergleichbar; entscheidender als das Gerät ist die Technik.

Photoselektive Vaporisation (PVP): Hier wird ein Laser mit grünem Licht (532 Nanometer) verwendet, der vom roten Blutfarbstoff absorbiert wird. Das Gewebe wird schichtweise verdampft, die Blutstillung ist sehr gut. Das Verfahren wird deshalb häufig bei Männern eingesetzt, die gerinnungshemmende Medikamente nicht absetzen können. Nachteil: Es bleibt kein Gewebe für die feingewebliche Untersuchung, und bei sehr großen Drüsen ist das Verdampfen langwierig.

VerfahrenPrinzipBesonders geeignetZu beachten
TURP (Standard)Abtragen mit Elektroschlingekleine bis mittelgroße Prostatamehr Blutungen als bei Laserverfahren
HoLEP / Thulium-EnukleationAusschälen des Adenomsjede Größe, auch sehr großErfahrung des Operateurs entscheidend
PVPVerdampfen des GewebesGerinnungshemmung, kleinere Drüsenkein Gewebe zur Untersuchung

Vorteile, Risiken und Vergleich mit der TURP

Die transurethrale Resektion der Prostata (TURP) ist seit Jahrzehnten das Referenzverfahren. Die europäischen Leitlinien der EAU und die deutsche S2e-Leitlinie zum BPS stufen die Laserenukleation als gleichwertige Alternative ein; bei großen Drüsen ist sie der offenen Operation vorzuziehen. In Studien bessern sich Harnstrahl und Beschwerden nach Enukleation mindestens so gut wie nach TURP, die Blutungsneigung ist geringer, der Blasenkatheter kann meist früher entfernt werden, und Nachoperationen wegen nachwachsenden Gewebes sind seltener.

Ganz ohne Risiken ist kein Verfahren. Typisch sind:

  • Retrograde Ejakulation: Der Samen fließt beim Orgasmus in die Blase statt nach außen. Das betrifft die Mehrheit der Männer nach Enukleation und TURP. Es ist gesundheitlich unbedenklich, schränkt aber die natürliche Zeugungsfähigkeit ein und sollte vorher besprochen werden.
  • Vorübergehende Inkontinenz: In den ersten Wochen kann es beim Husten oder Heben zu Urinverlust oder starkem Harndrang kommen. Beckenbodentraining hilft; eine dauerhafte Inkontinenz ist selten.
  • Blutung und Infekt: Leichte Blutbeimengungen im Urin sind in den ersten Wochen häufig, auch nach Laserbehandlung. Harnwegsinfekte kommen vor.
  • Spätfolgen: Selten bilden sich Engstellen an Harnröhre oder Blasenhals, die nachbehandelt werden müssen.

Die Erektionsfähigkeit wird durch die Verfahren nach heutiger Studienlage in der Regel nicht wesentlich verschlechtert.

Laserlithotripsie bei Harn- und Nierensteinen

Kleine Steine gehen häufig von selbst ab. Bleibt ein Stein stecken, verursacht er wiederholt Koliken, staut er die Niere oder ist er für einen spontanen Abgang zu groß, wird er aktiv behandelt. Ein häufiges Verfahren ist die Ureterorenoskopie (URS): Ein dünnes starres oder flexibles Endoskop wird über Harnröhre und Blase bis in den Harnleiter oder die Niere vorgeschoben. Über eine feine Glasfaser wird der Laser direkt an den Stein gebracht.

Standard ist seit Langem der Holmium-Laser. Mit ihm lässt sich ein Stein in Bruchstücke zerlegen, die mit einem Körbchen geborgen werden, oder in feinen Staub zermahlen, der mit dem Urin ausgespült wird. Neuer ist der Thulium-Faserlaser, der besonders feinen Staub erzeugen kann; nach aktuellen Studien ist er mindestens gleichwertig, Langzeitdaten werden noch gesammelt. Laser zertrümmern nahezu alle Steinarten, unabhängig von ihrer Härte. Größere Nierensteine werden meist über einen kleinen Zugang durch die Flanke behandelt (perkutane Nephrolithotomie), wobei ebenfalls Laser eingesetzt werden können. Eine Alternative für ausgewählte Steine ist die Stoßwellenbehandlung von außen.

Die URS ist auch bei Schwangeren und bei Menschen möglich, die gerinnungshemmende Medikamente nicht pausieren dürfen. Häufig wird für einige Tage bis Wochen eine dünne Harnleiterschiene (Doppel-J-Katheter) eingelegt, die Harndrang oder Ziehen in der Flanke verursachen kann. Mögliche Komplikationen sind Harnwegsinfekte bis hin zur Blutvergiftung, Blutungen, zurückbleibende Steinreste und sehr selten Verletzungen des Harnleiters.

Vorbereitung, Ablauf und Erholung

Vor einer Prostata- oder Steinoperation werden Urin auf Bakterien untersucht und Infekte behandelt, Blutwerte bestimmt und die Einnahme von Gerinnungshemmern geplant. Nach einer Prostata-Enukleation bleibt man meist einige Tage in der Klinik; der Katheter wird oft nach ein bis zwei Tagen gezogen. Nach einer unkomplizierten URS ist die Entlassung oft am selben oder nächsten Tag möglich. Viel trinken, in den ersten Wochen schweres Heben und Radfahren vermeiden und die Nachkontrollen wahrnehmen gehören zur Nachsorge. Bei Steinleiden lohnt es sich, die Steinzusammensetzung bestimmen zu lassen, um gezielt vorzubeugen.

Häufige Fragen

Ist HoLEP besser als TURP?

Beide Verfahren bessern die Beschwerden ähnlich gut. Die HoLEP blutet weniger, eignet sich auch für sehr große Prostatadrüsen und führt seltener zu Nachoperationen. Welche Methode passt, hängt von Prostatagröße, Begleiterkrankungen und der Erfahrung des Zentrums ab.

Bleibt nach einer Laser-OP der Prostata die Potenz erhalten?

Die Erektionsfähigkeit bleibt in der Regel erhalten. Häufig ist jedoch ein Samenerguss nach innen in die Blase, der Orgasmus selbst bleibt meist unverändert.

Wie lange muss man nach einer Prostata-Laser-OP im Krankenhaus bleiben?

Meist wenige Tage. Der Katheter kann nach Laserenukleation häufig nach ein bis zwei Tagen entfernt werden; die genaue Dauer hängt vom Verlauf ab.

Tut die Laser-Steinbehandlung weh?

Der Eingriff erfolgt in Narkose. Danach sind Brennen beim Wasserlassen und ein Ziehen in der Flanke, vor allem bei liegender Harnleiterschiene, häufig und meist gut mit Schmerzmitteln zu behandeln.

Werden Laserbehandlungen in der Urologie von der Kasse bezahlt?

Prostata-Laserverfahren und Ureterorenoskopie sind etablierte Klinikleistungen. Ob Besonderheiten gelten, klären Sie am besten vorab mit der behandelnden Klinik und Ihrer Krankenkasse.

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Er ist keine Werbung für bestimmte Behandlungen oder Anbieter.

Quellen