Trendfrucht Pomelo und Grapefruit können mit vielen Medikamenten wechselwirken

Viele Menschen mögen die herbe Süße von Grapefruits. Die Trendfrucht Pomelo wird dagegen für ihr fruchtiges Aroma geschätzt. Beide Zitrusfrüchte enthalten bestimmte Inhaltsstoffe, die mit einer Vielzahl an Medikamenten wechselwirken und zu einem ernsten Gesundheitsrisiko führen können.

Sie sehen aus wie riesige Grapefruits und sind doch anders. Die Pomelo ist eine Kreuzung aus Pampelmuse und Grapefruit. Sie werden in Israel und China gezüchtet und erfreuen sich seit einiger Zeit in Europa zunehmender Beliebtheit. Ihre Schale ist hellgelb bis grünlich, sehr dick und – im Gegensatz zu anderen Zitrusfrüchten – ungenießbar. Vor dem Essen muss die Schale der Pomelo ebenso wie die weiße Schicht im Inneren der Frucht entfernt werden. Ist die Pomelo erst geschält, kann die Frucht roh verzehrt werden.

Potenziell gefährliche Inhaltsstoffe

Die Pomelo enthält viel Vitamin C: 41 Milligramm auf 100 Gramm Frucht. Außerdem enthalten Pomelos große Mengen an Kalium, Magnesium und Phosphat. Sie schmeckt fruchtiger als die bittere und säuerliche Grapefruit. Dennoch enthält sie wie die Grapefruit Bitterstoffe, die im Verdacht stehen Wechselwirkungen mit vielen verschiedenen Arzneimitteln auszulösen, weil sie das körpereigene Enzym namens CYP3A4 hemmen. Das sorgt normalerweise dafür, dass die Wirkstoffe des Medikaments im Darm verstoffwechselt werden. Als Folge bleiben die jeweiligen Wirkstoffe zu lang im Körper. Sie reichern sich an und je nach Toxizität des Wirkstoffes können die Wirkstoffmengen im Körper gefährliche Konzentrationen annehmen – unter Umständen sogar lebensgefährlich werden. Beispielsweise kann – bei gleichzeitiger Einnahme von Grapefruit und Simvastatin (ein Cholesterinsenker) – sich der Wirkstoff so sehr anreichern, dass sich das Risiko für Leberschäden erhöht, die Muskulatur sich zersetzt, was letztendlich zu Nierenversagen führen kann.

Auch werden durch Grapefruits bestimmte Proteine im Körper geblockt, die eigentlich dazu da sind, die Wirkstoffe in die Zellen zu transportieren. Somit führt der Verzehr von Grapefruits und Pomelos dazu, dass die Wirkstoffe nicht ausreichend vom Körper aufgenommen werden können und einige Medikamente viel schwächer als sonst wirken.

Welche Inhaltsstoffe sind für die Wechselwirkungen verantwortlich?

Zu den Inhaltsstoffen aus Grapefruit und Pomelo, die diese unerwünschten Wirkungen hervorrufen, gehören Naringenin, Naringin und Dihydroxybergamottin. Auch andere Zitrusfrüchte zeigen ähnliche Effekte, nämlich Pampelmusen und Pomeranzen (Bitterorangen). Der Verzehr von Orangen (und Orangensaft) ist unproblematisch – sie enthalten diese Stoffe nicht.

Der Inhaltsstoff mit der größten Relevanz für eventuelle Wechselwirkungen ist das Flavonoid Naringin, das im Gastrointestinaltrakt enzymatisch in Naringin-Glucuronide und das Aglykon Naringenin gespalten wird. So entstehen neben dem Metabolit Naringenin auch die Furanocumarine Bergamottin und 6‘,7‘-Dihydroxybergamottin. Diese metabolischen Produkte vom Naringin, hemmen alle das Cytochrom P450-Isoenzym CYP3A4 (kurz: CYP3A4) und beeinflussen somit die Metabolisierung bestimmter Arzneistoffe.

Die Inhibition von CYP3A4 beschränkt sich allerdings auf gastrointestinales CYP3A4. Somit sind Interaktionen auch nur für oral verabreichte Arzneistoffe, nicht aber für andere Applikationsarten relevant.

Die Auswirkungen der Wechselwirkung mit Arzneimitteln kommen besonders bei Wirkstoffen zum Vorschein, die eine niedrige orale Bioverfügbarkeit besitzen. Die Bioverfügbarkeit ist eine Messgröße dafür, wie schnell und in welchem Umfang ein Arzneimittel resorbiert wird und am Wirkort zur Verfügung steht. Wenn die Grapefruit nun das Enzym CYP3A4 ausschaltet, verringert es den ersten intestinalen „First-Pass-Effekt“ und die Bioverfügbarkeit des Arzneimittel wird erhöht. Dies kann zu schwerwiegenden Komplikation führen, denn bei der Dosierung des Medikaments wurde die vorherige niedrige Bioverfügbarkeit berücksichtigt.

Was rät man den Patienten?

Grapefruit und Pomelo führen in Kombination mit oral eingenommen Arzneimitteln zu Wechselwirkungen. Früchte, Saft und andere Zubereitungen von Grapefruit und Pomelo sind gleichermaßen betroffen. Es gibt keine unbedenkliche Mindestmenge an Grapefruit-Produkten. Es handelt sich bei Pomelos oder Grapefruit um ein Naturprodukt – die enthaltenen Mengen an Bitterstoffen können stark schwanken.

Auch ein zeitlicher Abstand zum Verzehr der Früchte verhindert die unerwünschte Wirkung nicht, da die Pflanzeninhaltsstoffe die Enzyme dauerhaft binden. Mal davon abgesehen, ist das Enzym CYP3A4 bei jedem Menschen unterschiedlich stark aktiv, was die Effekte von Grapefruit unberechenbar macht. Während das CYP3A4-Enzym bei manchen Menschen in der Darmwand von Natur aus eher schwach aktiv ist, ist es bei anderen bis zu achtmal so aktiv. Und je aktiver das Enzym ist, desto stärker ist auch der Effekt durch Grapefruit und Pomelo. Daher sollte der Genuss von Pomelos und Grapefruit beziehungsweise deren Saft vollständig gemieden werden, wenn Wirkstoffe mit bekannter Wechselwirkung eingenommen werden.

Wechselwirkungen

Zu den Wirkstoffen, die in ihrer Wirkung durch Grapefruit/Pomelo verstärkt werden, gehören beispielsweise:

  • Simvastatin (Cholesterinsenker)
  • Ciclosporin (Immunsuppresiva)
  • Carbamazepin (Mittel gegen Epilepsie)
  • Amiodaron (Mittel gegen Herzrhythmusstörungen)
  • Lovastatin (HMG-CoA-Reduktasehemmer)
  • Verapamil, Nifedipin, Amlodipin, Felodipin, Nisoldipin, Nitrendipin (Calciumantagonisten)
  • Terfenadin, Ciclosporin (Mittel gegen Allergien)
  • Zolpidem (Mittel gegen Schlafstörungen)
  • Tolvaptan (Mittel gegen Nierenerkrankungen)
  • Fentanyl (Mittel gegen Schmerzen)
  • Sildenafil (Mittel bei Erektionsstörungen)
  • Midazolam (Beruhigungsmittel).

Bei gleichzeitiger Einnahme mit dem Antikoagulans Phenprocoumon (z.B. Marcumar) kann Naringin die Blutungsneigung erhöhen.

Die Wirkstoffe Cyclophosphamid (Mittel gegen Krebs) und Aliskiren/Bilastin (Mittel gegen Bluthochdruck) wirken in Kombination mit Grapefruit schwächer.

Die Wirkung von Grapefruit (Frucht oder Saft) kann über den Tag hinweg anhalten. Darauf sollten Patienten hingewiesen werden. Die Interaktion wird nicht vermieden, wenn nur auf die gleichzeitige Einnahme verzichtet wird. Grapefruit und Pomelos rufen eine irreversible Hemmung von CYP3A4 hervor, die 24 Stunden bis mehrere Tage anhalten kann. Eine zeitversetzte Zufuhr führt zu nichts; Pomelos und Grapefruits müssen gänzlich aus der Ernährung gestrichen werden.

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Dass der Verzehr von gesundem Obst unerwünschte Folgen haben kann, ist vielen Menschen nicht bekannt, vor allem nicht im Zusammenhang mit der Einnahme von Arzneimitteln und dass es hierbei zu verschiedenen Wechselwirkungen kommen kann. Die Zahl der Arzneimittel, bei denen man Wechselwirkungen mit Grapefruit/Pomelo feststellt, wächst ständig weiter, weil viel geforscht wird. Um vollkommen sicherzugehen, fragen Sie deshalb am besten Ihren Arzt oder Apotheker, ob bei der Einnahme Ihres Medikaments Wechselwirkungen mit Grapefruit (oder anderen Lebensmitteln) möglich sind. Insbesondere ist ein Hinweis in der Apotheke auf die entsprechenden Wirkungen verschiedener Obstsorten – vor allem in der „Zitrusfrüchtezeit“ – äußerst wichtig.

 

Quellen:

– Vorsicht Wechselwirkungen – Was Apotheker zur Trendfrucht Pomelo wissen sollten. DAZ online, 02.01.2019

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