Was ist eine Thrombose?

Eine Thrombose ist die (krankhafte) Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) in einem Blutgefäß. Geschieht dies in einer Schlagader (Arterie), spricht man von einer arteriellen Thrombose, die z. B. in den Herzkranzarterien zum Herzinfarkt führen kann. Bildet sich ein Thrombus in einer Vene, spricht man von einer venösen Thrombose. Die venösen Thrombosen entstehen am häufigsten in den Venen der Beine und des Beckens.

Die physiologische Blutgerinnung ist ein körpereigener Abwehrmechanismus

Die Blutgerinnung ist ein lebensnotwendiger Schutzmechanismus unseres Körpers. Sowohl Verletzungen wie Polytrauma als auch Entzündungen sowie internistische Erkrankungen wie z. B. Sepsis (Blutvergiftung) können sogenannte Gerinnungsfaktoren aktivieren. Diese sorgen in einem Zusammenspiel für die Bildung von Fibrin (ein biologischer Klebstoff), das die Risse in der Gefäßwand vernetzt und abdichtet. Zusammen mit den Blutplättchen (Thrombozyten), die im Blut frei schwimmen und stimuliert durch die freiliegenden Kollagenfasern nach Verletzungen für die Abdichtung der an dieser Stelle unterbrochenen Gefäßwand sorgen. Auf diese Weise verhindert der Körper großen Blutverlust.

Abbildung einer Vene mit Beschreibung der Blutgerinnung

Illustration: thromboseportal.eu

Schutz vor übermäßiger Blutgerinnung

Das Gerinnungssystem muss so kontrolliert werden, dass bei einer Verletzung nicht das gesamte Blutgefäß durch einen Blutpfropf – einem sogenannten Thrombus – verschlossen wird. Dazu dienen Eiweißkörper, die das Fibrinnetz teilweise wieder auflösen können. Man spricht hier von Fibrinolyse. Sie schützt physiologisch vor zu viel Gerinnung, kann aber auch bei der Behandlung von Thrombosen zur Wiederauflösung von thrombotischen Gefäßverschlüssen bei z.B Herzinfarkt als Notfallmedikament genutzt werden. Ein weiterer wichtiger Schutz vor einer überschießenden Gerinnselbildung ist die Eigenschaft der unverletzten Blutgefäßinnenhaut (Endothel), der Blutgerinnung entgegenzuwirken (antithrombotische Endothelfunktion). Zu einer unnötigen Gerinnselbildung kommt es auch nicht, solange der Fluß des Blutes in den Gefäßen nicht unterbunden wird und die Gerinnungskaskade nicht aktiviert ist.

Gestörtes Zusammenspiel

Abbildung des Virchow-Trias von Rudolf Virchow

Illustration: thromboseportal.eu

Das komplizierte Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren, die die Gerinnung möglich machen und für ein reibungsloses Funktionieren des Reparaturmechanismus nach Verletzungen bei gleichzeitiger Vermeidung von Gefäßverschlüssen notwendig sind, kann durch eine Reihe von Gegebenheiten beeinträchtigt werden:

1. verlangsamter Blutfluss,
2. beeinträchtigte Gefäßwandfunktion und/oder
3. erhöhte Gerinnungsneigung.

Diese 3 wesentlichen Punkte hat Rudolf Virchow (deutscher Arzt im 19. Jahrhundert, bekannt als Gründer der modernen Pathologie) als sogenannte Virchow-Trias beschrieben.

  • Ein verlangsamter Blutfluss entsteht, wenn z. B. bei Bettlägerigkeit die Wadenmuskulatur nicht beansprucht wird. Auch im Rahmen einer Schwangerschaft kann es zu einer Verlangsamung des Blutflusses kommen oder auch infolge der Gabe von Diuretika (entwässernde Medikamente).
  • Zu einer Veränderung der Gefäßinnenwände und somit zu einer Beeinträchtigung der Funktion der Gefäßwand kann es durch Verletzungen, aber auch durch Medikamente, die das Endothel reizen, sowie durch Stoffwechselkrankheiten, z. B. Zuckerkrankheit, kommen.
  • Die Gerinnungsneigung (Thrombophilie) kann angeboren sein oder auch durch Erkrankungen wie z. B. Krebs und Infektionen erhöht werden.
  • Bei einer Operation kommen sogar mehrere Beeinträchtigungen zusammen: neben der „Verletzung“ der Gefäßwand durch den Schnitt und somit einer beeinträchtigten Gefäßwandfunktion, wird zusätzlich auch die Blutgerinnung aktiviert. Neben der damit verbundenen erhöhten Bildung von Gerinnungsfaktoren, kommt es postoperativ auch zum verlangsamten Blutfluss, da der Patient in der Regel immobilisiert ist. Deshalb ist auch die frühzeitige Mobilisierung eines operierten Patienten von großer Bedeutung.
Abbildung eines Menschen mit Herzkreislauf und Beinvenen

Notfall Venenthrombose

Kommt es zu einem Blutgerinnsel, so kann der Körper sich gelegentlich selbst helfen und den Thrombus ganz oder teilweise auflösen. In diesem Fall merkt der Betroffene nichts, denn es treten keinerlei Krankheitszeichen auf. Bleibt das Gerinnsel, das an der Gefäßwand haftet, bestehen, kann es größer werden, indem es die Blutplättchen klebrig macht (aktiviert), sodass diese sich zunehmend an das Fibrin anlagern. Es entsteht eine Art Mauerwerk mit Fibrin als Mörtel und den Thrombozyten als Ziegelsteinen.

Auf diese Weise verstopft das Blutgefäß allmählich und der Blutfluss verlangsamt sich zunehmend, bis er schließlich ganz zum Stillstand kommt, weil das Blutgefäß vollständig verschlossen ist. Selbst in diesem Fall versucht der Körper, das Gerinnsel aufzulösen. Oft sucht sich der Blutfluss im Laufe der Zeit aber einen neuen Weg, der den Verschluss umgeht, indem kleinere benachbarte Gefäße (die sogenannten Brückengefäße oder Kollateralen) benutzt werden, die hinter dem Verschluss wieder in das Blutgefäß münden.

Erst im Verlauf mehrerer Tage bis Wochen kommt es zu einem langsamen Abbau des Gerinnsels und damit einer teilweisen Wiedereröffnung des verstopften Gefäßes. Im Laufe der Zeit (Monate) kann das Gerinnsel auch von der Gefäßwand aus umgestaltet werden, so dass es schrumpft und einen Teil des Gefäßes wieder freigibt. Doch diese körpereigenen Schutzmechanismen greifen nicht immer ausreichend. So werden zum Beispiel die Venenklappen im Laufe verschiedener Umwandlungsprozesse des Gerinnsels zerstört. Diese Taschen verhindern das Zurückfließen des Blutes in Richtung Fuß und fördern den Blutfluss in Richtung des Herzens gegen die Schwerkraft. Sind sie jedoch zerstört, ist die Vene nur eine Art starres Rohr, das vor allem im Stehen nicht verhindern kann, dass das Blut sich im Bein staut.

Quelle:

thromboseportal.eu

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