Wie gefährlich sind Schicht- und Nachtdienste für die Gesundheit?

Wechselnde Arbeitsschichten und vor allem Nachtdienste können negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Zwei aktuelle Studien untersuchen das Krebsrisiko für Männer und Frauen.

Bereits 2007 bewertete die Internationale Krebsagentur (IARC) – eine Einrichtung der Weltergesundheitsorganisation (WHO) – Schichtarbeit als wahrscheinliches Karzinogen für Brustkrebs.  Nun stehen zwei aktuelle Studien zur Verfügung deren Ergebnisse aufschlussreich sind, auch für Männer.

Brustkrebs: Die Hormone sind mitverantwortlich

Die 2018 im European Journal of Epidemiology veröffentlichte Studie von Cordina-Duverger und Kollegen analysierte über 6000 Frauen, deren Daten aus fünf Ländern stammten, nämlich Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland und Spanien. Nachtschichten (einheitliche Definition: mindestens drei Stunden zwischen 0 und 5 Uhr) können irgendwann im Leben das Brustkrebsrisiko um 26% erhöhen.

Für Frauen nach der Menopause besteht kein erhöhtes Brustkrebsrisiko, wenn sie in Nachtschichten arbeiten. Bei prämenopausalen Frauen wirken sich die Arbeitszeiten jedoch auf das Risiko aus, an Brustkrebs zu erkranken.

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko noch weiter:

  • Nachtdienste über zehn Stunden (um 36% erhöhtes Risiko)
  • mehr als 3 Nächte pro Woche (um 80% erhöhtes Risiko)
  • Arbeitszeit (>10 Stunden) und Häufigkeit (>3/Woche) (um 155% erhöhtes Risiko)

Brustkrebs kommt häufiger bei Frauen vor, die momentan oder noch vor kurzem nachts gearbeitet haben, im Vergleich zu Frauen, die seit mehr als zwei Jahren keine Nachtdienste übernehmen.

brustkrebs

Das erhöhte Risiko bezieht sich ausschließlich auf hormonempfindliche Tumore (Östrogenrezeptor-positiv, ER+), insbesondere wenn zudem HER2-Rezeptoren stark exprimiert werden.

Ein kausaler Zusammenhang zwischen Nachtarbeit und der Krebserkrankung kann nicht gezeigt werden. Es wird aber vermutet, dass über eine Veränderung der Melatonin-Ausschüttung der Östrogenhaushalt verändert wird.1

Prostatakrebs: Risiko mehr als verdoppelt

Behrens und Kollegen (2017) untersuchten in ihrer aktuellen Studie den Zusammenhang von Schicht- und Nachtarbeit mit der Inzidenz von Prostatakrebs anhand von Daten der Heinz Nixdorf Recall (HNR) Studie aus dem Ruhrgebiet in Deutschland.

Seit dem Jahr 2000 wird am Universitätsklinikum Essen die Heinz Nixdorf Recall Studie mit zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern der Städte Bochum, Essen und Mülheim a. d. Ruhr durchgeführt. Schwerpunkt dieser Langzeitstudie ist die Untersuchung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hirbei werden zuverlässige Daten erhoben, die gern als Basis für andere Studien herangezogen werden.

In der Studie von Behrens und Kollegen wurden über 1700 Männer ausgewählt, die zuvor noch nie an Prostata-Krebs erkrankt sind. Es zeigte sich, dass das Tumor-Risiko mit der Arbeit in Schicht- und Nachtdiensten ansteigt. Schichtdienst erhöhte das Risiko an Prostatakrebs zu erkranken um 129%, während bei Männern das Risiko um 127% anstieg, wenn sie einer Nacharbeit nachgingen.

Weiterhin spielt die Dauer der Arbeit eine Rolle. Eine mehr als 20-jährige Tätigkeit in Schichtarbeit war mit einem dreifach, eine gleich lange Tätigkeit in Nachtarbeit mit einem fast vierfach erhöhten Risiko assoziiert. Je mehr Jahre Männer in Schicht- oder Nachtdiensten arbeiteten, desto höher war ihr Risiko an Prostatakrebs zu erkranken. Auch wurde der Faktor des Chronotyps – also der Schlafpräferenz – bewertet. Besonders stark ausgeprägt war das Risiko für Personen, die sich als Frühaufstehertypen (Lerchen) einschätzen, im Vergleich zu Männern, die bevorzugt eher spät schlafen gehen (Eulen).

Kombinierte man die Faktoren Dauer der Arbeit mit dem Chronotyp, hatten Frühaufsteher, die lange Zeit in einem Schicht- oder Nachtdienst arbeiteten, die schlechteren Karten. Männer mit später Schlafpräferenz wiesen dabei kein zusätzlich erhöhtes Prostatakrebsrisiko auf. Da nur wenige Fälle in die nach Schlafpräferenz geschichteten Analysen eingeschlossen wurden, wiesen die Ergebnisse sehr weite 95 Prozent Konfidenzintervalle auf.2

 

Quellen

Meldung: coliquio.de

1. Cordina-Duverger E et al. Night shift work and breast cancer: a pooled analysis of population-based case–control studies with complete work history. European Journal of Epidemiology 2018; 33(4): 369-379.

2. Behrens T et al. Shift work and the incidence of prostate cancer: a 10-year follow-up of a German population-based cohort study. Scand J Work Environ Health 2017; 43(6): 560-568.