Digitale Gesundheit – Der Arztbesuch im Wandel der Zeit

Der Arztbesuch im Wandel der Zeit
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Welche Vorteile Online-Sprechstunden den Patienten und Ärzten bieten und wieso das Thema aktuell wichtiger denn je ist.

Um dieses spannende Thema näher zu beleuchten, haben wir Herrn Laszlo Schlindwein von DoctorYou interviewt. Er ist approbierter Apotheker und Start-Up Gründer im Health-Tec Bereich und verfügt über langjährige, fundierte Erfahrungen auf diesem Gebiet.

Medizin Aktuell: Hallo Herr Schlindwein, es freut uns mit Ihnen heute über das Thema „Digital Health“ und den Online-Arztbesuch zu sprechen. Vielleicht erstmal ein paar Worte zu Ihnen! Wer sind Sie und was hat Sie zu dem Thema gebracht?

Hallo, vielen Dank, dass ich hier sein darf! Mit großem Interesse beschäftige ich mich jetzt schon seit einigen Jahren damit, wie die Digitalisierung den Praxisalltag für Ärzte und Apotheker verändert. Dazu bin ich auch seit Jahren im ständigen Austausch mit Ärzten, Apothekern und Patienten sowie Experten aus dem Gesundheitswesen.

Ich selbst bin schon früh mit den Abläufen in der Apotheke in Berührung gekommen, da ich durch meine Familie im Apothekenalltag aufgewachsen bin. Nach meinem Pharmazie Studium habe ich dann auch direkt selbst in der Apotheke gearbeitet und gemerkt, dass die Digitalisierung in der Apotheke noch sehr ausbaufähig ist. Vor allem bei der Verknüpfung von Arzt, Apotheke und Patient hatte ich häufig das Gefühl, dass es Stellen gab, wo noch viel Potential besteht, um die Abläufe für alle angenehmer zu gestalten. Als ich mich dann regelmäßig mit befreundeten Ärzten und Apothekern dazu ausgetauscht habe, ging das vielen genauso.

In der heutigen Zeit machen wir so ziemlich alles mit dem Handy, Computer oder Tablet. Warum also nicht dieses Potential für den Gang zum Arzt oder zur Apotheke nutzen?

Dieser Ansatz führte dann auch zur Idee und Gründung von Doctor You.

DoctorYou ist ein moderner Knotenpunkt für eine effiziente Kommunikation zwischen Patient, Arzt und Apotheke. Dabei steht der Patient im Mittelpunkt.

MA: Warum haben Sie DoctorYou.de ins Leben gerufen?

Wir wollen Patienten die Möglichkeit geben sich bequem und kompetent von zu Hause aus zu ihren Erkrankungen zu informieren. Gleichzeitig bieten wir bei Bedarf die Möglichkeit deutschlandweit mit einem qualifizierten Arzt zu sprechen und sich behandeln zu lassen. Gerade dem Facharzt-Mangel auf dem Land wird damit entgegengewirkt.

Auch wollen wir Menschen, die arbeitstechnisch sehr eingespannt sind, die Möglichkeit bieten bekannte Medikationen oder Folgerezepte bequem online anzufordern. Nerviges warten im Wartezimmer und lange Anfahrtswege fallen damit weg. Das ist vor allem in der Corona-Zeit ein enormer Vorteil.

MA: Wie genau funktioniert DoctorYou grob für einen Patienten?

Die Grundlage für die Behandlung bei Doctor You bildet eine sichere Voranamnese. Dazu durchläuft der Patient einen ausführlichen Anamnesebogen, der am Ende von unseren erfahrenen Ärzten geprüft wird. Sind die Voraussetzungen für eine Verschreibung gegeben, erhält der Patient das angeforderte Rezept inklusive Medikament.

Die Anamnese ist so aufgebaut, dass der Gesundheitszustand sowie Vorerkrankungen und bestehende Medikationen mit einbezogen werden. Wenn es Unsicherheiten oder Rückfragen gibt, werden diese mit dem Patienten durch den Arzt geklärt.

Anschließend kann sich der Patient sein Medikament diskret und sicher nach Hause liefern lassen. Um das gewährleisten zu können, arbeiten wir mit zahlreichen vor-Ort und Versandapotheken in Deutschland zusammen und bauen dieses Netzwerk stetig aus.

MA: Für welche Patienten ist DoctorYou.de überhaupt geeignet?

Wir fokussieren uns auf die Indikationsgebiete, wo eine solche Online-Konsultation Sinn ergibt. Wir sehen die Online-Konsultation als Ergänzung. Das ist auch, was unsere Ärzte uns berichten. Wir bieten Entlastung sowohl für den Arzt als auch für den Patienten. Die Ärzte haben dann auch einfach mehr Zeit, um sich den schwierigeren Fällen zu widmen, die nicht über eine solche Online-Sprechstunde abgedeckt werden können.

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MA: Können Sie mir ein Beispiel geben, wo so eine Online-Konsultation besonders praktikabel wäre?

Klar! Ein Beispiel hierfür wäre ein Rezept für die Antibabypille – hier wird meist jahrelang das gleiche Medikament eingenommen und trotzdem verbringen viele Frauen für ein Rezept oft Stunden im überfüllten Wartezimmer für ein kurzes „Autogramm“ vom Arzt inklusive anschließendem Gang zur Apotheke. Diese und viele weitere Situationen wollten wir ändern und bieten dafür eine zeitsparende, sichere und bequeme Lösung an. Das Rezept kann vom Sofa aus über unsere Ärzte angefordert werden und das Medikament wird am nächsten Tag direkt nach Hause geliefert.

MA: Das klingt ja spannend, und was genau macht Ihr noch alles? Es gibt ja nicht nur junge Frauen, die schnell ein Pillenrezept benötigen.

Natürlich bieten wir auch für andere Patienten Hilfe, z.B. bei peinlichen Erkrankungen, wo die Patienten ggf. Scham haben sich an ihren Arzt vor Ort zu wenden. Manche Patienten gehen dann auch gar nicht zum Arzt oder sie bestellen sich fragwürdige Medikamente ohne Rezept im Internet. Zu diesen Indikationsgebieten zählen z.B. einige Geschlechtskrankheiten oder die erektile Dysfunktion. Da ist es wichtig, dass man den Patienten richtig aufklärt und behandelt, um schlimme Langzeitfolgen oder Nebenwirkungen zu vermeiden.

MA: Wie können Sie gewährleisten, dass der Patient oder die Patientin für eine Behandlung oder ein Medikament geeignet ist?

Um dem Patienten auch über die Ferne eine sichere und adäquate Behandlung zur Verfügung stellen zu können, arbeiten wir mit unserem Ärzte- und Apothekerteam an einer bestmöglichen Voranamnese. Diese kann dem Arzt schon viel Arbeit im Vorhinein abnehmen. Die Arzneimitteltherapiesicherheit, d.h. auch bei vielen verschiedenen Medikamenten eine sichere Therapie zu gewährleisten, hat für uns oberste Priorität. Deswegen werden sämtliche Medikationen, die der Patient erhält, bei uns immer auf unerwünschte Wechselwirkungen geprüft.

Natürlich kennen wir unsere Grenzen. Für die Behandlung von akuten oder komplexen Krankheitsbildern ist deshalb immer noch der Arzt vor Ort der erste Ansprechpartner und das soll auch so bleiben!

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MA: Hatte die Coronasituation Einfluss auf die Entwicklung von DoctorYou?

Sehr großen sogar! Sie hat uns noch mehr in unserem Vorhaben bestärkt. Wir haben schon vor Corona gesehen, dass die Nachfrage für Online-Arztbesuche gestiegen ist. Allerdings gab es davor deutlich mehr Skeptiker. Die Situation hat durch Corona eine ganz neue Dynamik

erfahren und hat auch viele dieser Skeptiker und Gegner auf die Seite der Telemedizin geholt. Ich denke, dass Corona den Markt um 4 bis 5 Jahre nach vorne katapultiert hat. Auch die Kritiker sehen jetzt, welche Vorteile der Online-Arztbesuch bietet und dass auch über Corona-Zeit hinaus.

MA: Wie sieht die Zukunft von DoctorYou aus?

Der Bereich Telemedizin und „digitale Gesundheit“ entwickelt sich zurzeit rasant weiter. Wir arbeiten für die Zukunft an patientenzentrierten Lösungen, die sowohl die Verfügbarkeit als auch die sichere Versorgung mit Arzneimitteln gewährleisten sollen. Dazu wollen wir die neusten technischen Möglichkeiten nutzen und für den Patienten zugänglich machen, wie z.B. die Videosprechstunde oder computergestützte Voranamnese mit künstlicher Intelligenz.

MA: Welche Chancen sehen Sie noch in den nächsten Jahren für DoctorYou?

Der durchschnittliche Bundesbürger geht über 10 Mal pro Jahr zum Arzt. Mindestens 30% dieser Arztbesuche könnten auch online erfolgen. Auch hinsichtlich des Fachkräftemangels, vor allem in den ländlichen Gebieten, sehen wir einen enormen Mehrwert für Patient, Arzt und Apotheke.

Ich glaube, dass viele Patienten schon sehr gut über ihre Arzneimittel informiert sind und für Folgerezepte oder bekannte Beschwerden ist der Online-Arztbesuch eine effiziente und sinnvolle Unterstützung. Außerdem entlastet dies die Ärzte vor-Ort und schafft so Zeit und Kapazitäten, wo diese wirklich gebraucht werden.


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